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Oleander
geb. 1924 v. Prunus a. d. Orchidee II v. Galtee More
Züchter: Gestüt Schlenderhan
Besitzer: Gestüt Schlenderhan
Trainer: Georg Arnull
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us dem Jahre 1924:
Ghandi fastet 21 Tage in Delhi als moralische Demonstration gegen den politisch-religiösen Streit zwischen Moslems und Hindus.
Winston Churchill - bis zu diesem Zeitpunkt Liberaler - tritt zu den Konservativen über und wird unter Baldwin Finanzminister.
In der UdSSR stirbt Wladimir Iljitsch Lenin (Uljanow) , russischer Staatsmann und Begründer des Bolschewismus und der Sowjetunion. Nach seinem Tode entbrennen Machtkämpfe um die politische Führung, die Josef Stalin gewinnt. Der Volkskommissar für Heerwesen Leo Trotzki wird abgesetzt und in den Kaukasus verbannt.
Hitler wird vorzeitig aus der Festung Landsberg entlassen, während der Haftzeit schrieb er "Mein Kampf".
Massenmörder Fritz Haarmann, ein Altkleiderhändler und Polizeispitzel, wird in Hannover verhaftet. Er legt das Geständnis ab, 27 junge Männer ermordet zu haben. Am 15. April 1925 wird Haarmann durch das Fallbeil hingerichtet.
Erste deutsche Funkausstellung in Berlin, ebenso die erste Automobilausstellung in Berlin.
In Amerika "hüpft" der 10.000.000 Ford vom Band.
Der Zeppelin LZ 126 bricht zur kühnsten Fahrt der damaligen Luftfahrtgeschichte am 12. Oktober auf. Sein Weg soll ihn über den Atlantik nach New York führen. Nach 81 Stunden und 17 Minuten und 8150 Flugkilometern landet LZ 126 wohlbehalten in New York. Zehntausende New Yorker bereiten der "fliegenden Zigarre" einen begeisterten Empfang. Nur zurück darf LZ 126 nicht, die Amerikaner "kassieren" den Zeppelin im Rahmen von Reparationszahlungen.
Der Kölner Dom bekommt seine Glocke, die mit einem Gewicht von 4.500 kg die größte deutsche Glocke ist.
Rasmussen erforscht auf der bisher längsten arktischen Schlittenreise das Leben der amerikanischen Eskimos - 15 Monate gilt er als verschollen.
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evor nun die Rede von dem legendären Oleander sein wird, müssen einfach ein paar Worte über seine berühmte Zuchtstätte Schlenderhan "verbreitet" werden. Denn im Laufe der langen Geschichte der Vollblutzucht wurden eine Reihe von Gestüten gegründet, die es in ihrer Zeit zu Ruhm und Ehre brachten. Von vielen ist - wenn überhaupt - nur noch die Erinnerung geblieben, ihre Rennfarben sind vergessen. Andere widerstanden Kriegen,
Inflationen, Weltwirtschaftskrisen, allerlei politischen Verirrungen und anderen Turbulenzen. Dazu gehört eben dieses Schlenderhan, welches auf eine über 130 Jahre lange Tradition zurückblicken kann. Schlenderhan ist eins der ältesten Privatgestüte der Welt und auch heute noch in Familienbesitz.
1869 gründete Freiherr Eduard von Oppenheim, Sohn des Geheimen Kommerzienrats und Inhaber des Kölner Bankhauses Freiherr Simon von Oppenheim auf dem Sommersitz der Familie das Gestüt Schlenderhan in Quadrath-Ichendorf bei Bergheim. Auch Eduards Bruder Albert engagierte sich im Sport und war Mitglied der Cölner Renngesellschaft. Das Engagement seiner "Filiusse" in "Sachen Pferde" sah der Vater mit einem Stirnrunzeln, fürchtete er doch, dass es seine Söhne in finanzielle Schwierigkeiten bringen könnte. Hat es aber nicht. Der erste Siege für die später so berühmten blau-roten Farben errang, der für 400 Friedrichsdor auf einer Auktion in Hoppegarten erstandene Buccaneer-Sohn Marathon. Früh stellten sich bedeutende Siege ein - auch im Hindernisrennsport. The Colonel und der berühmte Schimmel The Lamp punkteten je zweimal im
Grand National.
Auf die Krönung, einen Sieg im Deutschen Derby, musste Eduard von Oppenheim fast 40 Jahre warten, buchstäblich in letzter Minute gewann Sieger 1908 das Blaue Band, denn im Januar 1909 schloß der Begründer der Zuchtstätte Schlenderhan für immer die Augen. Sein Sohn Simon Alfred von Oppenheim führte das Werk seines Vaters erfolgreich fort. In der Ära Waldemar von Oppenheim erlebte Schlenderhan seine absolute Glanzzeit. Höhepunkt der besonderen Art und einmalig weltweit die außergewöhnliche Viererserie - in den Jahren 1938 bis 1941 siegten Orgelton, Wehr Dich, Schwarzgold und Magnat in Folge im Deutschen Derby. Aber ab dem Jahr 1933 zogen verstärkt dunkle Wolken am Horizont auf und das "1000jährige Reich" griff in Form der SS 1942 nach dem Gestüt Schlenderhan. Heinrich Himmler, Reichsführer SS, hatte den ausdrücklichen Wunsch als Gestütsherr aufzutreten und veranlasste, dass das Gestüt Schlenderhan der nicht den arischen Richtlinien dieser Zeit "gehorchenden" Familie Oppenheim zwangsenteignet wurde. Die Familie Oppenheim ging in den
Untergrund. Bis zum Ende des zweiten Weltkrieges mussten die Pferde unter der Bezeichnung SS Gestüt Schlenderhan an den Start gehen.
Es folgte der mühsame und belastende Neubeginn in der Nachkriegszeit - in Schlenderhan hatten sich die Amerikaner breit gemacht (übrigens - hinterließen sie es auch "entsprechend"), die Pferde waren vorübergehend in Altefeld untergebracht, das Bankhaus in Köln war im Krieg völlig zerstört worden - all dies lastete schwer auf den Schultern von Waldemar von Oppenheim.
1949 gab es im Deutschen Derby zur großen Freude Schlenderhans einen Doppelschlag, die beiden Stuten Asterblüte und Aubergine machten das Derby unter sich aus. Asterblüte wurde dann später Namensgeberin des berühmten Kölner Trainingsstalles von Heinz Jentzsch, den heute Peter Schiergen führt.
Waldemar von Oppenheim starb 1952 viel zu früh im Alter von nur 58 Jahren. Seine Frau Gabrielle Baronin von Oppenheim übernahm die Regie in Schlenderhan bis zu ihrem Tod im Jahre 1988. In die Zeit von Gabrielle Baronin von Oppenheim fielen so große Namen wie Priamos, Alpenkönig und dem ersten DM-Millionär Lombard, die Schwarzgold-Linie, jahrelang im dunklen schlummernd, machte international wieder auf sich aufmerksam mit dem Arc-Sieger Sagace und dem Sieger im Englischen Derby, Slip Anckor. Beide Hengste gehen mütterlicherseits auf die legendäre Schlenderhanerin zurück und auch der vorerst leider letzte Schlenderhaner
Derbysieger aus dem Jahre 1976, Stuyvesant.
Heute steht das Gestüt in der vierten Generation im Familienbesitz, die Geschicke von Schlenderhan liegen in den Händen der Tochter Gabrielles Baronin von Oppenheim, Karin Baronin von Ullmann. Schlenderhan musste einschneidende Veränderungen hinnehmen, das Braunkohlerevier hatte sich im Laufe der Jahrzehnte immer mehr an das Gestütsgelände heran gebuddelt und "pochte" nun an die Koppeln. Diese Entwicklung kam nicht über Nacht
und Schlenderhan war in der Lage Alternativen zu planen, um die drastischen Konsequenzen abzumildern. Denn schließlich fielen insgesamt 65 Hektar, davon 11 Hektar Koppeln und 10 Hektar Wald den gefräßigen Baggern zum Opfer. Wahrzeichen von Schlenderhan, wie der Oleander-Stall, der Gutshof und das Forsthaus gingen unrettbar verloren. Auch die verbliebenen Koppeln wurden in Mitleidenschaft gezogen - zum Beispiel steht auf der früheren Alba-Koppel eine Schutzwand, dahinter geht es Grand Canyon-mäßig in die Tiefe. So nah ist das Kohlerevier. Schlenderhan wich u. a. mit den Jährlingen in eine Dependance nach Disternich aus. Außergewöhnliche Pferde auf der Rennbahn waren für Karin Baronin von Ullmann der von allen unterschätzte kleine, große Solon und die
erstklassige Catella - wohlgemerkt bis jetzt, denn an diesem Kapitel wird noch weitergeschrieben...
Die fünfte Generation steht mit dem Sohn Karin Baronin von Ullmanns, Georg Baron von Ullmann bereits schon in den Startlöchern - für dessen eigene blau-gelbe Rennfarben gingen Pferde wie Monsun und Tiger Hill höchst erfolgreich an den Start.
Untrennbar verbunden mit den blau-roten Farben sind die Gestütsleiter Kurt Graf Sponeck und Ewald Meyer zu Düte, die Trainer Georg Arnull und Heinz Jentzsch.
Leider kann die traditionsreiche und spannende Geschichte des Gestütes Schlenderhan hier nur kurz angerissen werden - die ausführliche Geschichte Schlenderhans und seiner Menschen würde einen ganz dicken Wälzer ergeben...
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nd jetzt beginnt sie endlich, die Geschichte des Giganten mit Namen Oleander...
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eben oder Tod, es stand auf Messers Schneide für Oleander, als er zweijährig - bereits 2 Siege, u. a. im Sierstorpff-Rennen, standen zu Buche - von Jockey Varga am 20. Juli bei einer halbschnellen Morgenarbeit angehalten wurde und plötzlich nur noch auf drei Beinen stand. Zurück zum heimatlichen Stall waren es zwei lange
Kilometer, ganz behutsam, ganz vorsichtig brachte man den kaum noch gehenden Oleander in eine Krankenbox des Stalles. Der eilig herbeizitierte Tierarzt untersuchte ihn, vermutete einen Beckenbruch, aber er war unsicher und wollte eine Kapazität aus Berlin hinzugezogen wissen. Tags darauf fand nun die zweite Untersuchung - die den Hengst ebenfalls stark belastete - statt. Ergebnis des Berliners ebenfalls Beckenbruch. Die Ärzte stellten dann eine Krepitation (lt. Duden der medizinische Ausdruck für Reiben und Knirschen bei Knochenbrüchen) fest. Aussage des Berliners Professors: "Theoretisch kann er wieder werden, er bleibt aber ein Krüppel sein Leben lang."
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aron Simon Alfred von Oppenheim machte die eventuelle Tötung von Oleander von der Entscheidung seines erst seit zwei Jahren für ihn arbeitenden Trainers abhängig. Georg Arnull hatte eine hohe Meinung von dem talentierten Prunus-Sohn und entweder traute er den ärztlichen Diagnosen nicht über den Weg oder er vertraute auf sein Gefühl. Oleander wurde in den folgenden Tagen rund um die Uhr bewacht, es musste strikt vermieden werden, dass er sich versuchte hinzulegen. Davor hatten die Ärzte eindringlich gewarnt, würde das geschehen, könnte das Becken ganz auseinander krachen und der Hengst müsste elendig eingehen. Das hat aber Oleander niemand erzählt, denn bereits nach ein paar Tagen zeigte der Hengst, dass ihm beim Niederlegen oder beim Aufstehen wirklich nichts passierte. Der Patient begann auch langsam wieder aufzutreten und im Herbst konnte
er sogar schon wieder geritten werden. Wohlgemerkt geritten, bewegt, aber nicht gearbeitet. Der Hengst wurde zwischendurch immer wieder auf die zum Stall gehörende Koppel gestellt und was es auch immer für eine Verletzung war, sie heilte langsam ab.
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urch diese Verletzung und der neuen Aufbauphase konnte Oleander im folgenden Jahr nicht in den Klassikern an den Start gehen - sie kamen für ihn einfach zu früh. Im Frühjahr bekam er nur leichte Arbeiten, man zögerte mit ernsten Galopps und schickte den Hengst erst einmal in leichtere Aufgaben. Am 1. Mai war es soweit,
Oleander ging in einem kleinen Rennen an den Start. Seine Umgebung war angespannt und besorgt, aber alle Aufregung war umsonst, Oleander heimste einen lockeren Vierlängensieg ein. Mit dem gleichen Vorsprung holte der Schlenderhaner sich auch das nächste Rennen. Nun versuchte man es mit ihm in besserer Gesellschaft und schickte ihn in den Großen Preis von Hamburg, ausgetragen in Hamburg-Großborstel(!). Hier bezog Oleander nicht nur eine knappe Niederlage gegen bewährte Pferde, zu allem Überfluss kam er lahm aus dem Rennen zurück. Doch Georg Arnull, nicht nur ein Meistertrainer sondern auch ein Meister der Geduld, bekam den Hengst wieder flott.
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m 7. August machte Oleander Stippvisite in Köln und holte sich den Großen Preis von Köln mal eben mit einem lockeren Vierlängensieg. Und Oleander eilte von Sieg zu Sieg... in der Großen Woche in Baden-Baden putzte der Hengst im Fürstenberg-Rennen mit einem Zehnlängensieg mal eben seine Gegner nur so weg. Zum Saisonhöhepunkt, eine Woche später, versuchten im Großen Preis von Baden bewährte Pferde wie die Franzosen Sac-a-Papier und Grillemont Oleanders Siegeszug zu beenden. Die einheimische Gegnerschaft wurde von einem Zucht- und Trainingsgefährten, dem Derbysieger Mah Jong angeführt. Es nutzte nichts, Oleander holte sich seinen ersten Großen Preis von Baden.
Sein letztes Rennen als Dreijähriger absolvierte er in der Hauptstadt. In Hoppegarten wurde das seinerzeit sehr prestigeträchtige Gladiatoren-Rennen ausgetragen und Oleander präsentierte sich in Top-Form! Er schlug mit wahrem Kampfgeist den vier Kilo weniger tragenden Serapis, der zuvor in überaus leichter Manier das
Hertefeld-Rennen gewonnen hatte und den älteren Impressionist. Oleander, der in keinem Klassiker an den Start kam, war ohne wenn und aber der König des Jahrgangs!
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ls der vierjährige Oleander bei seinem ersten Start gerade gegen diesen Serapis, der dieses Mal drei Kilo weniger trug, eine Niederlage bezog, schien es, als sei der Hengst noch nicht richtig "wach", denn auf dem Papier hätte der Schlenderhaner eigentlich nicht viel zu tun gehabt. Nach diesem Ausrutscher unterhielt sich Oleander in Deutschland nicht mehr mit seinen Gegnern, sofern denn noch welche gegen ihn antreten mochten. Er spazierte im Jubiläums-Rennen Pferden wie Aurelius, Ferro und Aditja einfach davon. Im Großen Preis von Berlin verpasste er mit einem Fünflängensieg u. a. Mah Jong,
Torero, dem alten Widersacher Serapis eine regelrechte Packung. Der Oleanderzug rollte weiter - ein Sieg im St. Simon-Rennen und der zweite Sieg im Großen Preis von Baden folgten. Zwischendurch besuchte man Wien, um sich mal eben den Großen Preis von Österreich "abzuholen".
Gestüt Schlenderhan hatte einen richtigen "Brummer" im Stall, was lag näher, als mit diesem neuen Rennen in Paris, dem Prix de L' Arc de Triomphe, nicht nur zu liebäugeln sondern zu starten? Elf Gegner waren zu schlagen und es gab für Oleander etwas Neues, zum ersten Mal in seinem Leben sah und betrat Oleander so eine neumodische australische Startbox. In dem achten "Arc" belegte Oleander fünf Längen hinter dem Sieger Kantar einen fünften Platz. Ernüchternd? Nein, Oleander war zwar in Höhe des Pavillons ruckartig geschlagen, aber er kehrte auch mit einer Schnittwunde am Oberarm aus dem Rennen zurück. Vermutlich hat er sich diese Wunde beim Start zugezogen, ein Wunder, dass dieser grundehrliche Hengst überhaupt noch soweit gekommen ist!
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leander zeichnete sich nicht nur durch seine Ehrlichkeit aus, er war ein Vollblut wie man es sich nur erträumen kann, schnell und leicht zu Reiten, hart im Nehmen und Wegstecken, nie gab er ein Rennen verloren - er gab immer alles, nahm nichts krumm und war charakterlich standhaft wie ein Fels in der Brandung.
Nur vierzehn Tage nach dem nicht nur anstrengenden Rennen - auch das Reisen war damals immer noch ziemlich strapaziös für ein Pferd - in Paris stand im Rennkalender wieder das verflixte Gladiatoren-Rennen in Hoppegarten und der Treuste der Treuen, Oleander, ging an den Start. Hoppegarten platzte an diesem Tag aus allen Nähten. Berliner und zum Teil weitgereiste Gäste - sie alle wollten nur eins: Oleander siegen sehen. Die Bahn kochte, die Stimmung flirrte... die Rahmenrennen wurden so mitgenommen - alle warteten auf "ihren" Helden und das Superereignis. Gegen einen übermächtigen Oleander versuchten es wieder einmal: Aditja, Serapis, Ferro,
Avec Dieux, Lompos und Aurelius. Das Rennen... ein unglückliches, gequältes Raunen ging durch die zahllosen Zuschauer als das Feld in die Zielgerade einbog. Der glatte sechs Kilo weniger tragende Ferro hatte "in der Kurve" sein Heil in der Flucht gesucht und war auf sage und schreibe sechs Längen weggeflitzt.
Oleander setzte nach, kämpfte sich die ganze Geraden herunter an ihn heran und hatte im Ziel mit einem Kopf Vorsprung den sich immer wieder aufbäumendenFerro doch noch im Griff. Ein atemraubendes Finish, da "brannte" Hoppegarten. Der Jubel über den Sieg von Oleander kannte keine Grenzen.
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eorg Arnull verordnete seinem Racker die mehr als wohlverdiente Winterruhe und Oleander dankte die
Pause indem er sich noch - man höre und staune - weiter entwickelte. Der Hengst hatte die Pause genutzt und
noch einmal zugelegt. Viele, die damals das Vergnügen hatten, Oleander im Rennen genießen zu dürfen,
waren einhellig der Meinung, der fünfjährige Oleander übertraf den vierjährigen Oleander bei weitem.
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m 12. Mai sah Oleander als Fünfjähriger zum ersten Mal die Rennbahn Hoppegarten in Form des Charmant-Rennen wieder. Gegner Melkart, dessen Mannschaft hatte als einziger die Traute gegen diesen Schlenderhaner anzutreten. Melkart hatte an diesem Tag ein deprimierendes Erlebnis, denn Oleander war "erbarmungslos drauf" und canterte ihn einfach locker ab - zu verbuchen unter nett bezahlter Trainingsgalopp.
N ach dieser Demonstration schwebte Oleanders Umfeld auf Wolke sieben, zur Ernüchterung trug Oleander bei. Der Hengst bekam wie ein Teenager Pickel, die sich bald zu einem ausgewachsenen Hautausschlag verdichteten. Im ersten Moment schien ein erneuter Start im Großen Preis von Österreich in Frage gestellt. Aber es war nicht so schlimm, wie im ersten Moment angenommen. Oleander schüttelte den Ausschlag schnell wieder ab und musste nicht einmal mit dem Training aussetzen. So stand einem erneuten Ausflug in die Freudenau nach Wien nichts im Wege. Mit sechs Längen schickte Oleander den fünf Kilo weniger tragenden Rum "in die Wüste". Der Stalljockey Vargas, der neben Hans Blume eben auch Oleander ritt und bei Simon Alfred Baron von Oppenheim in Ungnade gefallen war, brach sich in der Arbeit ein Bein und musste wohl oder übel das Bett hüten. Hans Blume, der sich bestens mit Oleander verstand, konnte den Hengst wegen seines Gewichtslimits nicht immer reiten, so war der Gestütsherr gezwungen sich nach einem neuen Reiter umzusehen. Baron von Oppenheim hatte im Hinblick auf Oleander schon im Vorfeld ein Gentleman-Agreement mit Joe Childs, der seinen ersten Ruf an niemand anderen als an König Georg V. vergeben hatte, eingefädelt. Joe Childs sollte - sofern andere Rittabsprachen nicht im Wege standen - im Sattel von Oleander sitzen. Childs ritt den Hengst im Großen Preis von Berlin mit einem Achtlängensieg nach Hause. Nur eine(!) Woche später saß Childs im St. Simon-Rennen erneut im Sattel und gab dem 13 ½ Kilo weniger tragenden Avanti das Nachsehen. Dritter wurde der Franzose Rovigo, dieser hatte seine Saison mit vier Siegen in Folge begonnen und auch einem Kandar, Oleanders Widersache im Arc, geschlagen. Nach seinem zweiten Sieg mit Oleander, er sollte sich ja mit dem Hengst vertraut machen - Fernziel war ja ein erneuter Start im Arc mit dem die Verhältnisse in Longchamp genau kennenden Childs - lautete sein Kommentar: "Da sind nicht viele Pferde in der Welt, die ihn schlagen können!"
Bevor Oleander an den Start zum Arc kam, stand noch zum dritten Mal der Große Preis von Baden auf dem Programm. Natürlich lagen alle Hoffnungen darauf mit der großen Ungarin Kincsem gleich zu ziehen, die hier dreimal hatte gewinnen können. Joe Childs konnte nicht in den Sattel von Oleander "geschmissen" werden, da gab es andere Verpflichtungen - so ritt Hans Blume den Hengst. Um die geforderten 64 Kilo irgendwie zu bringen, wurde gehungert, geschwitzt, gerannt und ein Ein-Pfund-Sattel genommen. Man mag
sich in die Atmosphäre des 30. August versetzen, die Bahn knisterte, die Rahmenrennen waren nun wirklich Nebensache, über allem schwebte nur eine Frage: Schafft unser Oleander den Hattrick? Der Toto stand bei 10:10! Gab es wirklich an diesem Tag jemanden der nur ein müdes Märkel gegen Oleander setzte?
Alle Menschen, die dem Rennsport auf irgendeine Weise verbunden waren, weilten an diesem Tag - sofern sie nicht vor Ort waren - mit ihren Gedanken, Hoffnungen und Wünschen im Tal der Oos. Oleander scherte weder die Hungerkur seines Reiters, noch das Hoffen und Bangen der Freunde des Sports - er gewann einfach nur zum dritten Mal den Großen Preis von Baden und die Eindeutigkeit seines Sieges war kess. Ganz locker, ganz leger zelebrierten Oleander und Hans Blume gegen den sieben Kilo weniger tragenden sehr guten Derbysieger aus dem 1929 Graf Isolani einen Sieg mit vier Längen. Schmankerl am Rande: Baron Simon Alfred von Oppenheim war von der Ausschreibung des Großen Preis von Baden alles andere als angetan und betrachtete selbige als gegen seinen Hengst gerichtet...
Z u gerne hätte Hans Blume Oleander am 6. Oktober auch im Arc geritten, zu gerne hätte auch der Gestütsherr der Bitte Blumes entsprochen, aber Hans Blume hätte mindestens vier Kilo "machen" müssen, das war einfach unmöglich.
Von Iffezheim ging die Reise für das Aushängeschild des deutschen Galopprennsports erst einmal nach Köln - naheliegend - warum auch über Rom (Hoppegarten) nach Paris reisen? In Köln erhielt der große Hengst seine Abschlussarbeit. Beim letzten Galopp distanzierte er einfach seine Sparringspartner Avanti und Iwo. Zum zweiten Mal ging nun die Reise nach Paris. Oleanders Jockey, diesmal hatte Joe Childs keine anderen Verpflichtungen, traf am Vortag ein und absolvierte mit dem bestens aufgelegten Oleander eine leichte Arbeit. Childs war total angetan und äußerte gegenüber Georg Arnull: "Perfekt, er kann nicht geschlagen werden."
U
nd von nun an ging alles schief... zum einen hatte "Oli" bei der Auslosung die unpraktische Startbox Eins erwischt, zum anderen sollte sich sehr schnell herausstellen, dass die Franzosen unter den dreizehn Startern zwei Pacemacher, die vierjährigen Guy Fawkes und Pinceau, in das Feld "gemischt" hatten. Die beiden Hengste legten sofort nach dem Start ein flottes Tempo vor. Joe Childs folgte ihnen mit Oleander in gewissem Abstand, aber immer an der Spitze des übrigens Feldes. Warum entschloss sich Joe Childs zu dieser Taktik? Er hatte doch mit dem ausgesprochenen Steher noch zusätzlich ein richtiges Speedpferd unter dem Sattel. Joe Childs war ja nicht mehr der Jüngste - war es die Angst im Finish im Pulk festzusitzen, keinen freien Weg zu finden? Viele Zeitzeugen sagen, dass Childs größter Fehler war, dass er Oleander nicht den kleinsten Pull gab. In der Höhe des Anberges waren die Führpferde fertig und wurden sang- und klanglos nach hinten durchgereicht. Oleander war so viel zu früh in Front, wo Childs noch nicht einmal eine Ablösung für den weiterhin an der Spitze galoppierenden Oleander durch Matcolm erlaubte. Oleander kam mit Vorsprung in die Gerade, als er die Distanz erreichte, schrie das Publikum "Le cheval allemand!" Es hätte die Sternstunde des deutschen Galopprennsports werden können, aber Joe Childs verlor die Nerven, er ritt nicht energisch genug zum Zielpfosten. Die geschonten Pferde Ortello und Kantar kamen immer näher heran und am Zielpfosten war Oleander zweimal mit einer halben Länge abgefangen. Ein rabenschwarzer Tag! Es war nicht nur die Ehre des Sieges, die Oleander nicht zu Teil wurde, statt der satten Geldbörse von 656.950 Francs gab es nur 60.000 Francs. Oleander selber blieb noch fünf Längen vor dem viertplatzierten
Seriensieger Vatout.
Childs, dessen Spezialität es war, seine Rennen mit eiskalter Taktik von hinten kommend zu gewinnen, war todunglücklich. Er wusste, seine Reitweise hatte dem großen Hengst den Sieg gekostet. Viele warfen Childs vor, dass er mit Absicht diese Taktik gewählt hätte. Ein Vorwurf, der auch in der Familie Oppenheim auf einhellige Ablehnung stieß. Joe Childs schrieb einige Tage später an Baron Simon Alfred von Oppenheim:
"Lieber Baron Oppenheim! Ich bin sicher, dass Sie enttäuscht sind, aber nicht mehr als ich, über den Ausgang des Prix de l'Arc de Triomphe, aber es wird das Ansehen Ihres großen Oleander nicht schmälern. Ich hoffe, dass er seine erfolgreiche Karriere im Gestüt fortsetzen wird. Ich werde mich immer der Ehre und freudig der Gelegenheit erinnern, dass ich noch ein gutes und berühmtes Pferd geritten habe. Seien Sie davon überzeugt, Baron Oppenheim.
Ihr sehr ergebener Joe Childs."
D
er Arc war Oleanders letzter Start. Er hatte 23 Rennen bestritten, 19 Siege, teilweise mit erdrückender Überlegenheit, ein zweiter Platz und zwei dritte Plätze - nur ein einziges Mal war Oleander nicht im Geld. Er verdiente auf der Rennbahn 580.950 Mark. Trotz Inflation, Krieg, Währungsumstellung und im Laufe der Jahrzehnte ansteigende Dotierungen der Rennen hielt Oleanders Rekordsumme bis in das Jahr 1967. Erst 48 Jahre später konnte Luciano an Oleander Gewinnsumme vorbei ziehen. Wenn man bedenkt, dass heute alleine im Großen Preis von Baden eine Millionen DM für den Sieger zu Buche stehen, dann wäre Oleander in der heutigen Zeit mehrfacher Millionär...
J
oe Childs Wünsche für die zweite Karriere Oleanders erfüllten sich. Aufgestellt neben seinem Vater Prunus, dem fünffacher Beschäler-Champion in Schlenderhan, wurde der dunkelbraune Hengst in der Zucht ein Volltreffer. Er überflügelte seinen Vater und wurde neunmal Champion-Deckhengst, worin es ihm nur Ticino gleichtat. Nordlicht, Periander, Samurai, Sturmvogel, um nur einige seiner
Nachkommen zu nennen - übrigens, als "Opa" der legendären Schwarzgold ist Oleander auch verzeichnet.
A
ls der unselige Krieg 1945 zu Ende ging waren die Schlenderhaner auf der Flucht, vorher waren sie bereits nach Altefeld ausquartiert worden. Von Altefeld flüchteten die Schlenderhaner weiter nach Zell am See - immer das Damoklesschwert der "Liquidation" über der Herde. Die weltberühmte Schlenderhaner Zucht sollte auf keinen Fall in die Hände des Feindes fallen. Glücklichen aber kurzen Unterschlupf (vom 26. Mai bis 22. Juni) fanden die Pferde bei Frau Baronin Olga von Wedelstaedt-Poschinger...
"... Die Pferde aus Schlenderhan waren die Hengste Allgäu, Magnat, Oleander, Samurai und die Stuten Alraune, Anemone, Allerliebste, Adreale, Blaue Donau, Diana Montenova, Firman, Ibis, Memzab, Omega, Ostana, Schwarzliesel, Schwarzgold, Schwarzwälderin, Sommerflor, Tiepola und Vivere (von denen Astana, die rechte Schwester von Orsenigo, die später nach Erfttal kam, Diana Montenova sowie Tiepola allerdings
keine Schlenderhaner waren). Dazu kamen ein Stutfohlen von Octavianus a. d. Blaue Donau und die Hengstfohlen von Magnat-Alraune, von Magnat-Anemone und von Mirza II-Memzab.
Eines Tages erschienen einige Offiziere auf dem Gutshof und beschlagnahmten Boxen für Hengste und Unterkunft für etwa 40 Stuten, zum Teil mit Fohlen. "Sie werden die berühmtesten Pferde Deutschlands sehen", sagte einer der Offiziere, "es sind die Vollblüter aus Schlenderhan." Nachdem in fliegender Eile das Nötigste hergerichtet ist, erkennt man schon einen Trupp getriebener Pferde, in größerem Abstand voran die Hengste und an ihrer Spitze ein Rappe, der wie ein Schimmel aussehende, schweißbedeckte und an der Hand seines Führers tobende Magnat, der ab und zu einen Hieb über die Nase erhält und hoch aufsteigt, was ihm einen wütenden Verweis einbringt. Allgäu stürzt in den die Straße säumenden Stacheldraht. Erschreckt und verwirrt ist er, zittert vor Aufregung am ganzen Leib. Daneben geht mit langen, ruhigen Schritten, gehobenen Hauptes Oleander, elastisch und frisch, als käme er von der beheimateten Koppel. Müde und teilnahmslos trottet sein Sohn Samurai hinterher. Allgäu hat eine stark blutende Fleischwunde davongetragen und ihm gilt die erste Sorge, nachdem die Hengste glücklich untergebracht sind. Schon erhebt sich neue Aufregung, denn nun sind die Stuten heran. Sieben Fohlen, das jüngste 14 Tage alt, sind dazwischen.
Die übermüdeten und aufgeregten Hengste verweigern das Futter, einzig Oleander knabbert ein wenig am guten Heu und kaut langsam seinen Hafer. Die Stuten mit Fohlen sind auf der Koppel, sie wälzen sich, nehmen Wasser und gehen umher, bis sie, eine muß den Stacheldraht zerstört haben, ausrücken, kurz, nachdem sie noch so "gemütlich" schienen. Ein Junge hat sie in Richtung Zinneberg laufen sehen. Mitten auf der Straße steht ratlos eine Stute, Blaue Donau, mit ihrem Fohlen. Eine alte Frau hat die Pferde laufen sehen. Da stehen sie und lassen sich die jungen Waldgräser schmecken. Ganz ohne Wunden ist es nicht abgegangen und wir sind froh, als wir nach 20 Minuten Fußmarsch die heimatlichen Weiden erreichen und
die verschiedenen Kratzer mit Pioktanin behandeln können. Nun geht einige Tage alles gut. Die Hengste fressen, der alte Oleander ist sogar bei bestem Appetit. Ich suche ihm immer das letzte feine Kälberheu zusammen. Dazu muß ich mich auf den Futterboden schleichen und mich auch nicht vom Melkmeister erwischen lassen, der sowieso schon meuterte, wo sein Heu bleibt... Aber Oleander wiehert schon zutraulich, wenn er mich hört, dafür kann man schon stehlen... Magnat ist nervös und es besteht ein ständiger Kampf zwischen ihm und seinem Pfleger.
Am fünften Tag wird die Parole ausgegeben: Morgen geht der ganze Treck weiter. Die Stuten sollen auf verschiedene Bauernhöfe verteilt, die Hengste erschossen werden. Das muß ich verhindern. Eine Viertelstunde später bin ich mit meinem Traber Willy auf der engen Waldstraße, die zur "Residenz" des Kommandeurs der Truppen führt. Diesem falle ich ersichtlich in ein gutes Mittagessen, worüber er nicht erfreut ist. Aber ich rede, rede von der Unmöglichkeit, diese zu Tode erschöpften Tiere nun nochmals auf die Landstraße zu jagen, einem ungewissen Schicksal entgegen. Ich führe an, dass man das Beste und Edelste, was Deutschland überhaupt an Vollblut besitzt, nun, zum Schluss, nicht noch ganz vernichten kann, ich spreche von Volksvermögen und von unersetzlichen Werten. Endlich habe ich Erfolg, meine vielen in der Angst zusammengerafften Gründe scheinen sich auch bei diesem anfangs verständnislosen Menschen zu verfangen. Er ist nicht mehr ungehalten, sondern freundlich. "Gut," sagt er, "behalten Sie die Pferde da, aber ich muss sie darauf aufmerksam machen, dass ich Ihnen keinen einzigen Pfleger lassen kann." Ich bedanke mich nochmals und der treue Willy muss nochmals im Renntempo die Waldstraße zurückpreschen. Aber kurz vor Zuhause werde ich doch etwas kleinmütig, denn 40 Vollblüter stehen auf dem Hof und keine Hilfe.
Am nächsten Morgen erlebe ich eine Überraschung, ein 14jähriger Junge bleibt bei uns zurück. Er kann wenigstens bei den Stuten schlafen und aufpassen. Nun geht es an die Arbeit. Aufregend sind die täglichen Besucher der Amerikaner, sie kommen aus Glonn und Grafing, aus Rosenheim und München. Es scheint sich herumgesprochen zu haben, dass in Niederseeon gute Pferde stehen. Die SS-Tunierpferde sind bereits alle abgeholt. Heute gehen die letzten nach Pullenhofen ins Sammeldepot und von dort zu einem Hafen, Richtung Amerika.
Eine Anzahl von Pferden ist zum Reiten ausgesucht worden. Ich habe schreckliche Angst, denn die Offiziere gehen auf der Koppel herum und wählen. Sie haben drei Stuten, die aus Frankreich stammen sollen, ausgesucht und nun fallen ihre Augen auf Schwarzgold ... ausgerechnet. In meiner Sorge spreche ich sogar fließend englisch und erzähle, dass die Stute nächstens fohlt. Sie ist ja rund genug, zwar güst, aber einer der Offiziere hat Verständnis. Er wählt eine kleine Hellbraune und den großen Fuchs Korallenmöwe. Von den
jungen Stuten habe ich nie wieder etwas gehört, dagegen wird nach einigen Tagen aus Moosach angerufen, es sollte jemand kommen, um die große Fuchsstute zu töten, sie sei schwer verunglückt, ebenso die kleine Braune. Korallenmöwe hat den ganzen linken Unterschenkel aufgerissen, die Braune lahmt schwer. Mein Krankenstall ist voll. In ihm landet Sommerflor, deren rechter Oberarm völlig aufgerissen ist. Sie scheint in den Draht geraten zu sein. Die Wunde blutet fürchterlich. Ein ganz schwarzer Tag. Astrale ist tot. Gestern war sie noch mit Tiepola auf der Koppel und fraß gut, heute am frühen Morgen wollte sie nicht aufstehen. Ich hole den Tierarzt, der Herzschwäche und ein inneres Leiden feststellt. Meinen Wunsch, die Stute zu töten, um sie von den Schmerzen zu erlösen, wenn es keine Hoffnung mehr gäbe, kommt er nach heftigen Vorhaltungen am Nachmittag nach.
Wieder stellen sich reitlustige Amerikaner ein. Diesmal ist es Samurai den wir satteln sollen. Ob ich einen Sattel habe? Ich kann es mit ruhigen Gewissen verneinen. Na, dann reite ich eben ohne Sattel, meint ein Texaner. Das wäre unmöglich, sage ich, er ist doch ein Zuchthengst, den kann man doch gar nicht reiten. Der wird sie nach 5 Minuten abgesetzt haben... Das hätte ich nicht sagen sollen, denn nun ist sein Ehrgeiz angestachelt. Zum Glück mischt sich ein älterer Amerikaner ein, und wieder einmal ist die Reitgefahr abgewendet.
Heute große Freude: neue Amerikaner bezogen unser Landhaus, und unter ihnen befindet sich ein verständnisvoller Kapitän. Als er meine Pferde besichtigt, bittet ihn meine getreue Helferin Marie Theres (Gräfin Preysing) um Schutz für die Gestütspferde und wirklich: wir erhalten ein Zertifikat mit dem Vermerk, dass die Pferde nicht geritten werden dürfen. Außerdem dürfen wir die Pferde nachts auf die Weide bringen, da es ja am Tag viel zu heiß ist.
Stroh und Heu gehen zur Neige. Ich fege nun jedes Eckchen auf dem Heu- und Futterboden aus, damit wenigstens mein alter Freund Oleander sein bequemes Bett und etwas zu knabbern hat.
Rattenhuber ist Landwirtschaftspräsident geworden. Er verspricht die Oppenheims zu verständigen, dass sie ihre Pferde bei uns finden. Und nun spricht jeden Tag das Radio einen entsprechenden Satz in den Äther... Mein Herz klopft. Wird Graf Sponeck die Botschaft hören? Ein junger Tierarzt, Dr. Kroll, der bei uns vorbeikommt, fährt ins Rheinland, auch er will die Verständigung herstellen und nimmt einen langen Brief an Graf Sponeck mit.
Baron Oppenheim ist auf dem Hof. Er hat zuerst die Nachricht gehört und ist sofort aus Ast herbeigekommen und verhandelt nun mit der Militärregierung wegen Futter und Transport, denn Heu und Stroh sind endgültig aufgezehrt. Nur noch Oleander erhält seine von mir verteidigte Heuration. Alles andere muss mit frischem Gras, Torf als Streu und Hafer auskommen. Futter zu bekommen ist aber aussichtslos, obwohl der Landrat die Angelegenheit selbst in die Hand nimmt. Eines schönen Tages, ich habe gerade ein paar Ausreißer eingefangen, sehe ich eine Gruppe von Herren mit der kleinen Theres, die vor Freude strahlt, ankommen: Graf Sponeck! Meine Pferdchen sind gerettet. Jetzt sind nur noch einige aufregende Stunden mit Pferdeverladen durchzustehen. Herr Karnath, der altbewährte Gestütsmeister von Schlenderhan, bewältigt das mit aller Routine. Aber Allgäu und Magnat, die zusammen auf einem amerikanischen Lastauto verladen sind, führen einen schrecklichen Hengstkampf auf, dass die Trennwände nur so krachen und splittern. Ich klettere von außen zu Magnat herauf und hole ihn herunter (wieder mit Todesangst - aber es gelingt). Den
klatschnassen Hengst am Zügel gehe ich mit ihm eine Weile vor dem Hoftor spazieren, da kann er nichts mehr sehen. Ich nehme Abschied von ihm. Ob er es merkt? Er reibt seinen Kopf an meinem Ärmel, und nichts erinnert mehr an den augenrollenden, wütenden Magnat bei seiner Ankunft in Niederseeon. Schwarzgold, Schwarzliesel und Ibis reisen zu dritt. Oleander fährt mit seinem Sohn Samurai. Ich gehe noch einmal an alle Pferde heran, sie enden alle die Köpfe und schauen zu mir.
Jetzt setzt sich die Kolonne in Bewegung. Langsam rollen die Wagen auf der Landstraße gegen den Wald, und kurz darauf ist nur eine Staubwolke an dessen Rand zu sehen. Meine Pferde kehren in ihre Heimat zurück!"
Soweit die Erinnerungen von Baronin von Wedelstaedt-Poschingen, die in dieser schweren Zeit der Stunde Null ihre Größe und kaum zu erfassende Liebe zum Pferd und in diesem ganz besonderen Fall zur Schlenderhaner Zucht offenbarte, und ohne die eine große Lücke in der Forschung nach dem Verbleib der Schlenderhaner Pferde unmittelbar nach Kriegsende bestanden hätte. Nicht auszudenken, wenn diese Zucht sang- und klanglos in den Wirren der Nachkriegszeit verschwunden wären.
O
leander wurde mit den anderen Schlenderhanern zurück nach Altefeld gebracht, wo er sich noch zwei Jahre tummelte. Im Frühjahr 1947 rutschte der Hengst auf einem vereisten Weg aus, brach sich ein Bein und musste leider aufgegeben werden.
D
er zu diesem Zeitpunkt gerade vor Ort weilende Graf Sponeck veranlasste eine Untersuchung, es hatte viele Jahre die Menschen beschäftigt, was war das eigentlich damals für eine Verletzung bei dem zweijährigen Oleander gewesen? Nun erst fand man heraus... der Hengst hatte beide Sitzbeine angebrochen und es ist ein Wunder, dass er nicht nur wieder gesund, sondern auch zu solch großartigen Leistungen fähig wurde.
D
ie Derbysieger von 1927, 1928 und 1929 sind heute Schall und Rauch, wer kennt sie noch... aber Oleanders Stern strahlt immer noch. Oleander ist - trotz eines Acatenango und einer Schwarzgold - der wahre deutsche Galopper des 20. Jahrhunderts.
D
amit niemand auf die Idee kommt, ich hätte alles im Kopf gibt es hier ein
Literaturverzeichnis . Hinzugekommen ist ein separater "Altertums";-)-Statistikteil, der sukzessiv erweitert wird.
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berühmte Pferde - ihre Geschichten und Legenden.
01.11.2002 © www.kincsem.de