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Man o'War
Amerika, geb. 1917
v. Fair Play a. d. Mahubah v. Rock Sand
Züchter: August Belmont II.
Besitzer: Samuel D. Riddle
Trainer: Louis Feustel

D er deutsche Hengst Herold wurde genau wie Man o'War im Jahre 1917 geboren, aber in unserem Lande bringt niemand dem Graditzer oder einem anderen vielleicht sogar noch erfolgreicheren Vollblut späterer Jahre eine auch nur ähnliche Verehrung entgegen, wie die Amerikaner ihrem Man o' War. Dieser Hengst wurde von "The Bloodhorse" 1999 zum Rennpferd des Jahrhunderts gewählt - wohlgemerkt - Man o' War zeichnet für den Jahrgang 1917 und nach ihm kamen noch eine Reihe fantastischer Pferde, die der Jury eigentlich eher im Gedächtnis gewesen sein dürften. Was ist das für ein "Stoff", dass die Juroren ein Pferd zum "Galopper des Jahrhunderts" wählen ließ, dass keiner von ihnen hat laufen sehen? Diese Juroren haben aber zumindestens zum Teil einen Secretariat, einen Citation, einen Kelso und und und ... auf der Rennbahn gesehen (wenn auch den einen oder anderen nur auf "Film"). Was hat sich da für ein Mythos um ein Pferd über die Jahrzehnte hinweg in den Köpfen manifestiert? Vielleicht für uns nüchterne und wahrlich nicht zur Verehrung vierbeiniger Helden neigende Deutsche kaum nachvollziehbar. Hier ein kleiner Versuch in die Legende, den Mythos Man o' War ein wenig Licht zu bringen.

M an o' War wurde gezüchtet von August Belmont II., einem wahren Titanen der amerikanischen Vollblutzucht jener Zeit. Wenn der Leser jetzt an New York und Belmont-Park und u. a. das letzte Rennen der amerikanischen Version der Triple Crown, die Belmont Stakes, denkt, so liegt er richtig. Der Vater August Belmont II war eine der bekanntesten Turfpersönlichkeiten jener Zeit. Die Belmonts waren so einflussreich, wie es heute vielleicht die Familien Oppenheim/Ullmann oder Jacobs in Deutschland sind. Der Vater, August Belmont I, wurde 1816 als Sohn jüdischer Eltern in Deutschland geboren. 1837 wanderte August Belmont I nach Amerika aus und avancierte in seiner neuen Wahlheimat nicht nur zu einem großen Finanzmagnaten, sondern er entwickelte sich auch zu einem passionierten Züchter. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn, August Belmont II, das väterliche Gestüt.

A ls Züchter liebäugelte Belmont wie der italienische Züchter Frederico Tesio mit dem Risiko und war genau wie Tesio in seiner Zeit manchmal recht unkonventionell. Der speedstarke, aber nicht leicht zu bändigende Hastings - der Hengst erzog seine zweibeinige Umgebung zu blitzschnellen Ausweichmanövern vor seinen Hufen oder Zähnen - war erlesen gezogen: Auf der väterlichen Seite stand der Belmont-Sieger Spendthrift, mütterlicherseits hatte Cinderella v. Tomahawk schon den Kentucky-Derbysiegers Plaudit gebracht, aber der ungebärdige Hastings war eine "heiße" Nummer und vererbte mit Vorliebe seine Charaktereigenschaften. Belmont importierte aus England eine Stute namens Fairy Gold und setzte sie auf die Deckliste Hastings'. 1905 kam aus dieser Verbindung ein Hengstfohlen, dass den Namen Fair Play erhielt. Fair Play war ein Bild von einem Pferd, ein Exterieur zum träumen, mit harmonischen Bewegungen ausgestattet. Von seines Vaters charakterlichen Attacken verschont aber mit seiner fixen Grundschnelligkeit ausgestattet gewann er einige schnelle Rennen. Der Hengst hatte nur das Pech sich immer wieder mit dem grandiosen Colin messen zu müssen, dem er nicht recht beikam. Historiker behaupten, dass Fair Play das beste Pferd gewesen ist, was je die Belmont-Farben getragen hat. Belmont holte ihn Heim in sein Gestüt und stellte ihn als Deckhengst auf.
Belmont - züchterische Spürnase oder Glück - hatte das Gefühl im "Bauch", dass wohltemperamentierte Fair Play der richtige Partner für seine sehr gut gezogene, aber leicht nervöse und dadurch im Rennen ziemlich glücklose, Stute Mahubah sei. Die Lady stammte ab von dem englischen Triple Crown Sieger Rock Sand, den Belmont 1906 für 125.000 Dollar aus England "abgezogen" hatte.

W ir schreiben den 29. März 1917, eigentlich sollte im Bluegrass-Country langsam der Frühling Einzug halten, aber es war eine kalte, feuchte, dunkle Winternacht als Mahubah kurz vor Mitternacht auf dem Nursery Stud ein Hengstfohlen zur Welt brachte. Früh am nächsten Morgen wurde auf der Seite 939 im Gestütsbuch folgender Eintrag gemacht: "29. März 1917, Mahubah fohlte ein kastanienfarbenen Hengst von Fair Play, Stern, schmaler Streifen nach rechts vom Stern runter bis zur Nasenmitte. Höhe 42, Umfang 33." Man o' War schien als Fohlen nur aus Beinen zu bestehen, und obwohl er mit seinem kastanienfarbenen Fell gut aussah, deutete nichts darauf hin, dass dieser junge Dachs den großen, stillen Traum eines jeden Vollblutzüchters erfüllen würde.
August Belmont II weilte zu dieser Abfohlzeit in New York. Belmont - normalerweise immer ganz von den Belangen des Gestüts, vor allen Dingen zur Abfohlzeit, in Anspruch genommen - war von der Armee der Vereinigten Staaten in kriegswichtige Arbeiten eingebunden worden. Mittlerweile in den Sechzigern, zu alt um aktiv in der Infanterie zu dienen, bekleidete er den Rang eines Majors und hatte das Training und die Transportsicherung der Militärpferde nach Übersee zu organisieren. Frau Belmont war stolz auf ihren Mann und gab dem Mahubah-Fohlen als ersten Namen My Man o' War.
Niemals zuvor hatte Major Belmont überhaupt daran gedacht, seine Nachzucht zu veräußern, aber er plante mit Fortschritt des Krieges seine Aktivitäten zu verstärken - besser gesagt sein "Arbeitgeber" plante dies für ihn. Belmont konnte nicht beiden Seiten gerecht werden, so entschloss er sich schweren Herzens 21 seiner Jährlinge zu verkaufen - sechs Jährlingsstuten behielt er für den späteren Einsatz in der Zucht. Von Man o' War sich zu trennen, ging ihm besonders gegen den Strich, hatte der große Mann des amerikanischen Rennsports eine Ahnung? Belmont II. offerierte seine Jährlinge in "Paketen", je nach Struktur des vierbeinigen Inhaltes zwischen 32.000 und 40.000 Dollar erst einmal privat. So richtig interessiert war niemand.

I n Pennsylvania, auf der Glen-Riddle Farm, trainierte Louis Feustel für den Rennpferde-Besitzer Samuel "Sam" D. Riddle. Feustel hatte Jahre zuvor für das Nursery Stud gearbeitet und wusste nicht nur um die Qualität der belmontschen Zucht, er kannte die ganzen Pferde Belmonts aus erster Hand. So zum Beispiel hatte Louis Feustel auf besagtem Hastings seinen ersten Galopp absolvierte, man könnte auch sagen, Hastings nahm Louis Feustel einfach mit, denn der Hengst hielt erst zwei Meilen später freiwillig an. Als Louis hörte, was da auf dem Markt war, versuchte er Riddle davon zu überzeugen, die Belmont-Jährlinge komplett zu kaufen. Besonders hatte Feustel drei Jährlinge ins Auge gefasst, darunter auch Man o' War. Aber Riddle lehnte ab.
In Ermangelung eines fairen Angebotes für alle Jährlinge als "Paket" beschloss Major Belmont seine Jährlinge auf der Saratoga-Auktion zu versteigern. Anderthalb Monate später, am 17. August 1918 war Auktionstermin. Ein erfolgreicher Bieter war Sam Riddle, der zwei der von Feustel geschätzten Jährlinge kaufte. Als Man o' War im Verkaufsring präsentiert wurde, wollte Riddle kein Gebot abgeben. Erst als seine Frau ihn mit den Worten "Come on Sam, setz Dich. Ich werde diesen Hengst für Louis kaufen, weil er ihn am meisten mag und er muss ihn ja schließlich trainieren..." 'anstachelte', bequemte er sich. Riddle erhielt den Zuschlag für 5000 Dollar. Ein Gebot mit Perspektive, der Durchschnittspreis aller verkauften Jährlinge lag bei 1.107 Dollar, sechs Jährlinge gingen für mehr als 5000 Dollar aus dem Ring. Der Höchstpreis lag 1918 bei 15600 Dollar für einen Hengst namens Switch (bekannt auf der Rennbahn wurde Switch aber als Golden Broom).
Sam Riddle ahnte mit keiner Faser seines Herzens, dass er ein Pferd gekauft hatte , dass später mal wie ein geölter Blitz über die Rennbahnen schießen würde.

A uf der Glen Riddle-Farm begann für Man o' War der Ernst des Lebens. Der Hengst war kein rebellisches Pferd, aber beim Aufsatteln musste man sich anfänglich schon ein paar Tricks einfallen lassen. Einfach Sattel auflegen und los, stieg Man o' War hoch und schoss aus dem Stall. Sattel auflegen, Gurt ein wenig anziehen, eine Runde führen, Gurt ein wenig mehr anziehen, eine Runde führen, Gurt ... Man o' War gewöhnte sich mit der Zeit ein und arbeitete gut. Die Stallburschen nannten ihn anfänglich "Red". Selbst sein Appetit entwickelte sich zu seinen Gunsten, obwohl seine Umgebung immer aufpassen musste, dass der Hengst nicht schlang und dadurch seinen Magen in Unordnung brachte. Die Zeit verging und als Man o' War höher als 16 hands war, tauften die Stallburschen ihn in "Big Red" um. Seine frühere Langbeinigkeit hatte sich in einen großen Vorteil verwandelt, er entwickelte einen sehr langen Schritt. Es gibt nur wenige Pferde mit solchen langen, gestreckten schönen Beinen wie Man o' War sie hatte. Viele Anzeichen deuteten auf eine vielversprechende Laufbahn hin, und in den Kreisen des Galopprennsports sprach man von Riddls hoffnungsvollem Hengst.
Feustel trainierte den zweijährigen Hengst im Frühjahr 1919 in Havre de Grace und in Pimlico, er baute ihn sehr behutsam und sehr sachte auf, sein Debüt sollte Man o' War erst Mitte des Jahres geben. Kurz vor seinem ersten offiziellen Start gab es ein Proberennen in der Morgenarbeit gegen Din oder Dina Care (Name ist nicht genau überliefert), was den Ausgang des Testrennensanbelangt, wird es nun nebulös. Je nachdem welche Quelle herangezogen wird, schlug Din oder Dina Care mit einem Abstand von 1/2 bis zu 5 Längen Man o' War. Vielleicht wollten Feustel und Riddle nicht mit dem wahren Können ihres Hengstes rausrücken, schließlich kiebitzten viele Besucher der Rennbahn schon morgens bei den Trainingseinheiten. Bei seinem ersten Start am 6. Juni 1919 gab es für Man o' War 3-5. In dem Maiden-Rennen in Belmont Park - auf der geraden Bahn - lief er 5 furlongs in 0:59, raste wie ein Durchgänger und schlug das nächstschnellste Pferd glatt mit 6 Längen. Das war das erste Mal, das Man o' War namentlich in einem Rennprogramm erwähnt wurde. Niemand ahnte zu diesem Zeitpunkt was für ein Pferd man da hatte siegen sehen - aber das würde sich bald ändern.
Nur drei Tage später siegte Man o' War wieder. Die Rennstrecke war feucht und aufgeweicht, Regenwasser stand in Lachen auf dem Grund, aber Man o' Wars geschmeidig fließende Gangart blieb sich gleich. Er siegte auch in den nächsten vier Rennen überlegen - darunter eins mit schwerster Konkurrenz. Die Rennbahnbesucher sprachen nur noch von Man o' War. "Sieh Dir seine Gangart an!" sagten sie "Er ist mit Leib und Seele dabei!"

D ann kam der 16. August 1919 das Sanford Memorial. Das Rennen wurde ausnahmsweise von Charles Pettingham gestartet - der legendäre Starter seiner Zeit Mars Cassidy war erkrankt (einige Quellen behaupten auch, das er zu tief ins Glas geschaut hatte). Der Start war ausgesprochen schlecht für Man o' War. Viele sagen - es gibt hier wieder mehrere "Fassungen" - dass Man o' War mit seinem Reiter Johnny Loftus falsch gestanden hätte. Andere behaupten wiederum, dass der Hengst nur ein wenig seitwärts gestanden hätte als Pettingham das Feld abließ. Während des Rennens wurde Man o' War von Johnny Loftus - einem Genie seiner Zeit - innen an den Rails mitten im Pulk gehalten. Als Loftus den Hengst dann endlich nach außen dirigierte war es zu spät, Man o' War schnellte zwar heran, holte enorm auf, aber es reichte nicht. Upset mit Willi Knapp im Sattel schlug "Big Red" mit einer 1/2 Länge. Die Fans waren enttäuscht, aber sie tadelten ihren Liebling nicht - zehn Tage später fertigte Man o' War Upset mit mehreren Längen ab und die Welt der Fans war wieder in Ordnung. Außerdem geisterte das Gerücht herum, Loftus und Knapp hätten gemeinschaftlich eine dicke Wette auf den Sieg von Upset laufen gehabt, die Quoten wären lohnenswert gewesen (Man o' War 1-2, Golden Broom 2-1, Upset 7-1). Riddle hat auf diese Gerüchte nichts gegeben, denn Loftus ritt den Hengst auch in den nächsten drei Rennen. Am Ende der Zweijährigen-Saison hatte Man o' War zehn Rennen bestritten und neun gewonnen.

D ie folgende Saison 1920 brachte die aufregendsten Rennen Amerikas. Man o' Wars überlegene Siege hatten dazu beigetragen, dass der Rennsport sich wieder belebte. Durch den Krieg war das Interesse natürlich erlahmt, die Menschen hatten weder Geld, Gelegenheit noch Zeit gehabt. Man o' War war neben Exterminator das populärste Pferd des ganzen Landes. Er siegte, siegte und siegte, es setzte eine wahre Man o' War-Hysterie ein. Weil jeder nur noch auf Man o' War setzen wollte, wurde das Wetten uninteressant. Außerdem hielten die anderen Besitzer ihre Pferde von den Rennen zurück. Sie mochten ihre Pferde nicht ständig gegen einen unschlagbaren Gegner verlieren sehen. Im ersten Rennen 1920 gingen noch 8 Pferde gegen Man o' War an den Start, danach nie mehr als zwei, drei. Man o' War lief zahlreiche Matches, in einem solchen schlug er nicht nur den gewiss nicht schlechten ersten Triple Crown Sieger Amerikas, Sir Barton. Man o' War nahm Sir Barton in Kenilworth Park über 1 1/4 Meile volle 7 Längen ab und verbesserte nebenbei den Bahnrekord um 6 Sekunden!
Unter diesen Matches war das Rennen gegen den schwarzen John P. Grier das vielleicht aufregendste. John P. Grier, ein Pferd mit unglaublichen Stehvermögen, hatte ähnliche Zeiten gelaufen wie Man o' War und schien ein ernsthafter Konkurrent zu sein. Manch Besucher wettet "um", als er John P. Grier sah, vielleicht war das das Pferd, was Man o' War endlich einmal besiegen könnte. Auf der ersten Meile schaffte John P. Grier es tatsächlich Man o' Wars scharfes Tempo mitzugehen, schob sich Zentimeter um Zentimeter auf die gleiche Höhe, Kopf an Kopf schossen die Kontrahenten über die Bahn. Plötzlich gerieten die Zuschauer außer sich, langsam aber stetig schob sich der schwarze Kopf von John P. Grier nach vorne. Die Zuschauer gerieten außer sich. Jetzt wurde es Man o' Wars Reiter zu bunt, er berührte den Hengst leicht mit der Gerte und Man o' Wars Galoppsprünge wurden noch raumgreifender, noch schneller, er schoss dem Gegner davon und gewann leicht mit zwei Längen.

E r war in dieser Saison immer noch ungeschlagen, er wurde in dieser Saison auch nie geschlagen. 11 Starts - 11 Siege. Er gewann auch die Belmont- und die Preakness Stakes. Der Hengst hatte zwar eine Nennung für das Kentucky Derby, trat da aber nicht an. Auch hier gibt es zwei Varianten, die einen sagen, Riddle hätte die Bedeutung des Kentucky Derbys nicht ernst genommen, die "richtigen" Rennen wären im Osten. Andere behaupten, Riddle wäre das Kentucky Derby zu früh im Jahr für einen Dreijährigen über die Distanz.

E s sollte nicht verschwiegen werden, dass durch den ganzen Rummel um Man o' War auch üble Menschen angelockt wurden und Samuel Riddle Erpresserbriefe und Drohungen erhielt. Der Hengst wurde bei seiner Dreijährigen-Saison nicht nur streng bewacht, nein, Feustel und seine Mannschaft hatten zusätzlich auch durch die zahlreichen Fans einiges auszuhalten und schotteten sich sehr ab.

1920 war Man o' War so dominierend wie kein anderer Sportler, niemand hat einem Sport je wieder seinen Stempel so aufdrücken können. Und das, obwohl die Handicaper ihm nicht zu knapp immer mehr Gewicht aufbrummten. Eine Tatsache, die Riddle und Feustel immer bedenklicher stimmten und Rückzugsgedanken aufkommen ließ. Der Hengst stand bereits in Maryland, als Riddle eine interessante Offerte ins Haus flatterte. Ein Match gegen den eisenharten Wallach Exterminator , ein Startgeld von 50.000 Dollar winkte. Als Riddle spitz bekam, dass Man o' War in diesem Match ein Gewicht zwischen 145 und 150 Pfund aufgeladen bekommen sollte, wurde der Gedanke aber blitzschnell zu den Akten gelegt.

B ig Red kehrte der Rennbahn endgültig den Rücken zu und traf ihm Gestüt auf seinen größten Fan, Will Harbut, der sein persönlicher "PR-Mann" wurde. Von 1921 bis kurz vor seinem Tod 1947, war es interessierten Menschen gestattet Man o' War zu besuchen - präsentiert voller Stolz von Willi Harbut, einer wahren Fundgrube an Anekdoten und Geschichten die er den Besuchern über seinen Schützling zum besten gab. Auch hier verschiedene Versionen - es sollen Man o' War zwischen 1,5 Millionen und mehr als 3 Millionen Fans besucht haben. Aber eins ist sicher, sie kamen aus allen Teilen der Welt um für einen Moment die Legende zu sehen. Er blieb zeit seines Lebens ungeheuer populär - in Deutschland undenkbar, aber in Amerika wurde Man o' Wars 21. Geburtstag im Radio übertragen.

I n den 23 Jahren im Gestüt war Man o' War mehr als sehr erfolgreich, wenn man bedenkt, dass seine Sprünge nur fünf Jahre auf dem freien Markt erhältlich waren - anfänglich für 2500 Dollar, später wurde die Decktaxe auf 5000 Dollar erhöht - danach war der Hengst "privat" und er bekam nur noch die Stuten von Riddle und Walter Jeffords (seine Frau war Mrs. Riddles Nichte) zu Gesicht. Er wurde Vater von 64 Stakes-Siegern, einschließlich des Triple Crown-Siegers und Pferdes des Jahres War Admiral. Seine Töchter wurden unbezahlbare Zuchtperlen, ihre Nachkommen gewannen 124 Stakes. In den ganzen Jahren, in der aktiven Zeit auf der Rennbahn und auch zu Deckhengstzeit wurde Riddle mit Kaufangeboten überhäuft. Einer bot eine Millionen Dollar, eine fast schon unanständige Summe in jener Zeit. Riddle sagte: "Nein, eine Menge Männer können eine Millionen Dollar besitzen, aber nur ein Mann kann Man o' War besitzen!" So schrieb Sam Riddle amerikanische Rennsportgeschichte, als Besitzer von Man o' War.
W. T. Waggoner, ein Texaner, bot Riddle an, einfach die Summe zu nennen, für die Man o' War erwerbbar wäre. Riddles Antwort: "Gehen Sie nach Frankreich und kaufen das Grabmal Napoleons, dann stoppen Sie in London, erwerben die Kronjuwelen. Auf dem Weg zurück halten Sie in Washington und holen das Original der ersten amerikanischen Verfassung. Wenn Sie dies alles dann in Texas haben, dann sage ich Ihnen den Preis für Man o' War!"
Mit anderen Worten: Man o' War war unverkäuflich.

W illi Harbut ist den ganzen Jahren Man o' War nie von der Seite gewichen. Er liebte Man o' War abgöttisch und bewunderte ihn grenzenlos, der Hengst war sein ein und alles. Vielleicht hat diese tiefe Zuneigung auf Gegenseitigkeit beruht, denn als Will Harbut starb, legte sich zwei Wochen später - genau am 1.11.1947 - Man o' War nieder um nicht mehr aufzustehen.
Die Beerdigung Man o' Wars glich einem Ritual. Mehr als 2000 Menschen kamen zu seinem Begräbnis und die Radiosender berichteten live. Er wurde auf der Koppel beerdigt, auf der er die letzten Jahre gelebt hatte, auf seinem Grab wurde eine hohe Bronzestatue (Künstler Herbert Haseltime) errichtet. Sam Riddle wollte das Gedenken seines Pferdes bewahren und damit tat er recht...

M an o' War schrieb in den 16 Monaten zwischen 1919 und 1920 die Rekord-Bücher um:

Er stand dreimal bei den Buchmachern 1:100.

Er gewann die Belmont Stakes mit 20 Längen Vorsprung, die Lawrence Realization mit 100 Längen.

Er schlug die besten Pferde seiner Zeit.

Er brach alle Rekorde die bis dahin in Amerika Bestand hatten, seine Rekorde hielten lange Zeit an, der Rekord über 1 1/2 Meilen wurde 17 Jahre lang nicht unterboten.

Er verbesserte Bahnrekorde nicht um ein paar Zehntel Sekunden, Man o' War vernichtete sie.

Er siegte leicht auf jeder Bahn, Boden fest oder schwer.

Er siegte auf Distanzen zwischen 5 furlongs und 1 5/8 Meilen.

Er gewann auf geraden Bahnen, Links- und Rechtsbahnen.

Er gewann mit 130 Pfund im Sattel fünfmal als Zweijähriger.

Er gewann er dreijährig mit 131 Pfund die Miller-Stakes, mit 135 Pfund die Stuyvesant- und mit 138 Pfund die Potomac-Stakes.

Er gab als Dreijähriger Gewichtsnachlässe - auch an ältere Pferde - und er schlug sie.

Er beendete ein für allemal die Diskussion vieler Fachleute, welches das beste Pferd des jungen Jahrhunderts sei - Colin oder Sysonbon.

Er ging als größter Verdiener seiner Zeit in die Zucht.

Er war der erste Deckhengst, dessen Nachkommen über 3 Millionen Dollar einliefen.

Er war einzigartig...

1976 übersiedelte das Grab und das Denkmal Man o' Wars in den damals neu gegründeten Kentucky Horse Park im Norden von Lexington und hier hat Man o' War nun seinen Platz für alle Zeiten erhalten.

D amit niemand auf die Idee kommt, ich hätte alles im Kopf gibt es hier ein Literaturverzeichnis . Hinzugekommen ist ein separater "Altertums;-)-"Statistikteil, der sukzessiv erweitert wird.

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01.11.2002 © www.kincsem.de