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Korok
präsentiert von Martin Cap
ehem. Tschechoslowakei, geb. 1962
v. Astyanax a. d. Cosyria
Züchter: PP Motešice
Besitzer: St.st. Zidlochovice
Trainer: Václav Chaloupka

N ach dem erfolgreichen Putsch der Kommunisten im Februar 1948 veränderte, ähnlich wie viele andere Bereiche der tschechoslowakischen Gesellschaft, auch die Turfwelt ihr Gesicht. Zuerst sah es zwar aus, als ob der tschechoslowakische Rennsport ungehindert weiter existieren könnte, die Saison 1948 verlief noch relativ normal, doch dann kam die Wende. Der Tschechoslowakische Jockey Club wurde aufgelöst und durch eine Ersatzorganisation ersetzt, die sich wenige Jahre später in die Staatlichen Rennbahnen transformierte. Es kam zu einer paradoxen Situation, dass zwar Vollblüter in ihren Stallfarben liefen, doch ihre Ställe nicht mehr existierten. Alle Privatställe wurden verstaatlicht, und das auf eine grausame Weise: zur Beseitigung der reichen Rennstallbesitzer wurde eines der Beneš-Dekrete benutzt. Im Klartext: die Besitzer, unter ihnen viele Patrioten, die gerade den sechs Jahre langen Kampf mit der braunen Macht hinter sich hatten, wurden wegen ihres Besitzes an Pferden auf die selbe Weise wie Kriegsverbrecher enteignet. Dabei mussten sie ansehen, wie ihre Vollblüter normal weiter in ihren Farben liefen. Auf die Tatsache, dass der Besitzer schon längst enteignet worden war , machten im Rennprogramm nur zwei Buchstaben hinter dem Namen des Stalles aufmerksam. Diese Tragikomödie endete erst 1950, wo die Pferde auf staatliche Betriebe übergingen.

D ie 50er Jahre brachten dem tschechoslowakischen Turf viele Pferdestars, doch aus heutiger Sicht stellten die damaligen Rennen kaum richtige Leistungsprüfungen dar. Alles wurde von den Staatlichen Rennbahnen reguliert, und das ganze Rennsportmilieu, wie wir es heute kennen und lieben, wurde zu einer künstlichen Vorstellung. Zu einer gewissen Auflockerung kam es erst in den 60ern. Und gerade in dieser Zeit kam der Fuchs Korok, eines der populärsten Pferde in der Geschichte der Großen Pardubitzer Steeplechase, auf die Welt.

D ie Geschichte von Korok beginnt ähnlich wie die der anderen Pferdelegenden, im Gegensatz zu den meisten hier beschriebenen Pferden legte ihm das Schicksal jedoch gleich am Anfang seines jungen Lebens ein schweres Hindernis in den Weg. Als die Pfleger im slowakischen Gestüt Motešice an einem eisigen Januarmorgen 1962 in die Box der französischen Stute Cosyria schauten, entdeckten sie bei ihr ein schönes Hengstfohlen. Der kleine Fuchs war ein Sohn des kurze Zeit zuvor in die Tschechoslowakei importierten französischen Deckhengstes Astyanax, und man hätte sich von ihm normalerweise sicher einiges versprochen, doch das Fohlen hatte einen schweren Defekt: sein rechtes Vorderbein war vom Karpalgelenk nach außen verdreht. Es war klar, dass das Fohlen mit einem solchen schweren Fehler keine Rennkarriere machen konnte. Eigentlich sollte es nie eine Rennbahn erblicken, und schnell eingeschläfert werden. Doch irgendwie kam es nicht dazu. Die Züchter ließen den Hengst sich mit seinen Altersgefährten auf den Weiden tummeln.

E s war ein ziemlich mieses Jahr für das Gestüt. Der ganze Jahrgang 1962 wurde von einem starken Darmkatarrh betroffen, was zur Folge hatte, dass die vom schwerem Leiden geplagten Fohlen gar nicht wie junge Vollblüter aussahen. Das Gestüt hatte keine andere Wahl, als die Fohlen als Jährlinge für wenig Geld an kleinere Ställe und Betriebe zu verkaufen. Für alle Betroffenen war klar, dass diese Pferde niemals bedeutende Erfolge auf der Rennbahn erzielen würden, falls sie es überhaupt schafften, irgendwann Rennen zu laufen. Unter den paar jungen Vollblütern, auf die trotz ihres hervorragenden Stammbaumes entweder der Weg in einen Provinzstall oder ins Schlachthaus wartete, war auch Korok. Ohne es zu wissen sollte er aber ein anderes Schicksal haben. Das eines Champions.
Während die Züchter in Motešice verzweifelt über die Zukunft von Korok und seinen Freunden nachdachten, träumte ein paar Hunderte Kilometer entfernt, im mährischen Dorf Tešany, ein siebzehnjähriger Junge namens Václav Chaloupka von der Karriere als berühmter Hindernisreiter. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder war er fast jeden Tag auf dem naheliegenden Pferdehof, und machte seine ersten Ausflüge in die faszinierende Welt der vierbeinigen Samtnasen. Der Hof und der mit ihr verbundene Reitverein hatten einige Halbblüter, mit der sie an kleinen Provinzrennen teilnahmen. In den Rennsattel stieg immer öfter auch Václav Chaloupka. Es kamen erste Siege und Erfolge, doch die Pferdebegeisterten aus dem kleinen mährischen Dorf hatten einen großen Traum - richtige Vollblüter zu reiten und zu trainieren. .

D ieser Traum sollte im Sommer 1964 in Erfüllung gehen. Der Vorsitzende des Reitvereines fuhr zusammen mit zwei weiteren Kollegen nach Motešice, um für ihre bescheidene finanzielle Mittel ein paar Rennpferde zu kaufen. Im Büro des Gestütsleiters einigte man sich schnell - man wollte eine dreijährige Halbblutstute und einen zweijährigen Vollblüter namens Kamos kaufen, doch man hatte Bedenken, denn Kamos war nicht im besten Gesundheitszustand, da er wie alle seiner Altersgenossen den Darmkatarrh hinter sich hatte. Die Käufer aus Mähren wollten unbedingt eine Preisermäßigung. Schließlich lies sich der Gestütsleiter überreden: „Gut, wir geben Ihnen zu den zwei Pferden noch ein drittes dazu. Es ist ein zweijähriger Hengst und heißt Korok. Einverstanden?“ So geschah es, dass Korok ein neues Zuhause gewonnen hat.

K amos und Korok verließen ihren Geburtsort in einem schlechten Zustand, doch ihre neuen Besitzer haben sie geduldig aufgepäppelt. Die Pferdebegeisterten rund um den Hof hatten in den ersten Monaten nur die Tatsache genossen, dass sie im Stall richtige Vollblüter hatten, und alles andere war erst einmal völlig "wurscht". Man ließ die beiden jungen Hengste auf der Koppel, fütterte sie entsprechend, bis sie ein bisschen zugenommen hatten und für‘s Training tauglich waren. Allmählich begann man mit ihnen zu arbeiten. Beide erwiesen sich als nicht schlecht, obwohl Kamos eine Spur besser zu sein schien. Ihren ersten Start absolvierten sie erst als Dreijährige auf einer Provinzbahn. Kamos unter Václav Chaloupka gewann, Korok war mit Václavs Bruder Jiri im Sattel zweiter.

D ann kam aber eine Tragödie - Kamos fraß immer schlechter, bekam große Schmerzen, nichts konnte ihm helfen. Er konnte sich zum Schluß nicht mehr auf seinen Beinen halten und starb nach schwerem Leiden. Die Obduktion zeigte, dass er einen Nierenzerfall hatte. Eine große Trauer herrschte in den Ställen. Von den zwei Vollblütern, die für alle Anwesenden eine gewisse Verbindung mit der faszinierenden Welt der Pferderennen darstellten, blieb nur noch einer, und wahrscheinlich der schlechtere. Alle Blicke richteten sich jetzt auf Korok und sein behindertes Bein, wegen dem er für jeden erfahrenen Galoppfreund ein Krüppel war. Doch nicht für Václav Chaloupka und seine Freunde. Für sie war er noch immer die Erfüllung eines großen Traumes, die man nicht so einfach abschreiben durfte. Man beschloss, es mit Korok auf der Hindernisbahn zu versuchen.

Z uerst hat sich Korok vor den Hindernissen gefürchtet, doch schon bald wirkte sich seine große Intelligenz aus. Seine Sprungtechnik war anders als die der meisten Gegner. In der Endphase des Sprunges arbeitete er nicht nur mit seinen Vorderbeinen, sondern benutzte auch die Hinterbeine, sodass er immer auf allen vier Beinen landete. Er benutzte diese Technik auch wenn er ohne Reiter irgendwo springen musste. Nach der Erklärung von Václav Chaloupka, der ihn trainierte, schonte Korok unbewusst sein deformiertes Bein.

Z wischen Václav und Korok entwickelte sich im Laufe der Zeit eine besondere Freundschaft. Sie arbeiteten jeden Tag miteinander, lernten sich gut kennen und vertrauten einander. Nicht nur weil Václav Korok jeden Tag ritt. Er verbrachte mit ihm den Großteil seiner Freizeit. Oft gingen sie spazieren oder „plauderten“ in Korok Box. Václav redete und Korok hörte ihm aufmerksam zu. Einmal blieben sie zusammen in einer Schneewehe stecken. Korok lag auf einer Seite, Václav hing auf ihm fest und eins seiner Beine lag unter Koroks schweren Körper. Wenn sich Korok ein bisschen bewegt hätte, würde er das Bein seines Reiters brechen. Eine Situation, die das Verhältnis Pferd-Reiter hundertprozentig überprüft. Václav behielt einen kühlen Kopf, und sprach zu Korok ein paar beruhigende Worte. Der Hengst lag geduldig weiter ohne jede Bewegung, wartete, bis sein Reiter das Bein langsam aus dem Schuh rausgezogen hatte. Ruhig, ohne jede Panik. Erst nach einem Zeichen stand er auf. .

A ls Vierjähriger startete er siebenmal, konnte einmal siegen und sich zweimal platzieren. Er galt als ein arbeitswilliges und aktives Pferd. Ein Jahr später begann er schon ein bisschen zu spekulieren, er war wie ein Professor. Im Training schonte er sich, arbeitete ruhig und zeigte nie, was er drauf hatte. Wahrscheinlich wusste er, dass im Training nichts zu gewinnen war. Im Rennen zeigte er aber ein großes Herz, kämpfte und gab nichts umsonst. Er reifte zu einem besonderen Steepler, was auch die Ergebnisse zeigten - von seinen 8 Starts waren 6 Siege. Václav Chaloupka und andere, die sich täglich um Korok kümmerten, waren sich bewusst, dass sie ein Juwel im Stall hatten. Im Jahr 1968 sollte Korok sechs Jahre alt sein, und so endlich startberechtigt für die Große Pardubitzer Steeplechase (Velká pardubická).

N ach einigen Jahren der Stagnation wurden die Pardubitzer Rennen in den 60ern wieder ein Publikumsmagnet und zogen Tausende von Zuschauern auf die Rennbahn. Die Große Pardubitzer war ein Fest, das Massen verfolgten, ähnlich wie zum Beispiel die Fußballmeisterschaft. Was die Laune der vielen Fans aber senkte, war die Tatsache, dass nach Pardubice jedes Jahr eine starke sowjetische Mannschaft kam und alles abräumte. Pferde aus der Sowjet-Union siegten immer wieder auch in der Velká pardubická.
Dies konnte aber nichts daran ändern, dass es ein großer Traum vieler Ställe war, ein Pferd in diesem 6900 Meter langen Rennen zu haben. Für die kleine mährische Truppe um Václav Chaloupka rückte dieser Traum dank Korok in greifbare Nähe. Auch im Jahr 1968 konnte Korok wieder zweimal siegen und sich zweimal platzieren. Er verkörperte eine der Hoffnungen für die Velká pardubická und galt als eines der Pferde, die vielleicht dieses Mal den Sowjets ihren Sieg wegnehmen konnten. Doch die Politik zerstörte diese Pläne - nach dem „Prager Frühling“ kam eine Verschärfung der politischen Situation und im August 1968 fielen schließlich Panzer der restlichen Länder des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei ein, was nicht nur das Ende der Versuche um politische Reformen, sondern auch vieler gesellschaftlichen Ereignisse in diesem Jahr, bedeutete. Unter vielen anderen Veranstaltungen war es auch die Velká pardubická, die im Jahr 1968 nicht ausgetragen werden konnte.

D er erste Start von Václav Chaloupka und Korok in der Velká pardubická verschob sich also um ein Jahr. Im Jahr 1969 hatte der siebenjährige Korok eine bessere Form als je zuvor. Auf den Start der „Velká“ ging er ungeschlagen nach vier Starts. Für den 21-jährigen Václav Chaloupka bedeutete es die Erfüllung eines großen Traumes. Es gab andere Favoriten, und von ihm und seinem Pferd erwartete man nur eine gute Leistung im Bereich einer Platzierung.
Ihr erster Sprung über den berüchtigten Taxis-Graben war tadellos. Nach diesem Sprung, der im Kurs der Velká die Nummer vier hat, hatte der junge Reiter keine Angst mehr. Er war irgendwo um den siebten Platz und sagte sich: „Jetzt ist es kein Problem mehr, nur noch ein normales Rennen...“ Da Korok sehr gut sprang, begann Václav zu taktieren. Den „Schlangengraben“, ein Wassergraben in der zweiten Hälfte des Rennens sprang Korok schon unter den ersten Pferden. „Wir können ja gewinnen,“ schoß es Václav durch den Kopf. Im letzten Bogen kämpfte er mit der Stute Mohyla, einer Repräsentantin des Gestüts Motesice, um den Sieg, nach ein paar Metern setzte er sich aber leicht um drei Längen durch. Gewonnen!

I m Jahr darauf war alles komplizierter. Korok hatte im Laufe der Saison gesundheitliche Probleme und arbeitete weniger. Im Rennen selbst hatte er kein Glück. Auf dem dritten Sprung hatte er eine Kollision mit einem der Gegner, verlor ein paar Längen und vor allem den richtigen Rhythmus. Das alles fehlte ihm beim Anreiten des Taxis-Grabens. Er blieb vor ihm stehen. Die Velká wurde wieder einmal durch ein ausländisches Pferd gewonnen, diesmal durch die bulgarische Stute Vezna II. .

I m Jahr 1971 kehrte Korok wieder zu seiner alten Form zurück. Er gewann fast alles, was er gewinnen konnte, und ging in die Velká pardubická als Favorit, obwohl einige Leute behaupteten, dass er den Taxis-Graben nicht springen kann. Václav dachte sich diesmal eine andere Taktik aus. Er ging schnell in Führung, sprang den Taxis-Graben als erster, wartete dann auf seine Gegner und kontrollierte den Rennverlauf aus einer der Spitzenpositionen. Am Ende gewann er ohne Probleme. Tausende Menschen feierten Korok und Václav Chaloupka als Nationalhelden, Zuschauer auf der Bahn gaben den beiden minutenlange standing ovations. Korok machte der Lärm nichts aus, laut Václav Chaloupka bereitete ihm der Applaus sogar Freude. Als er die applaudierenden Menschenmengen sah, wieherte er ihnen die Antwort. Ja, ich habe wieder gewonnen.

E in Jahr später, 1972, war schon ganz Pardubitz und eigentlich die ganze Tschechoslowakei im Korok-Fieber. Das Fernsehen drehte immer wieder Aufnahmen von diesen zwei unzertrennlichen Freunden, in den Zeitungen und Zeitschriften erschienen Dutzende von Artikeln über sie. Korok und Václav popularisierten die Pferderennen in der Tschechoslowakei wie niemand zuvor und dank ihnen fanden Pferde viele neue Bewunderer. Der Masse imponierte, wie der Besitzer Korok vor dem Schlachthaus rettete, und wie dicke Freunde Václav und Korok waren, die Experten betonten wieder die phantastische Rennbilanz der beiden. Im Jahr 1972 blieben sie ungeschlagen und auch die „Velká“ war eigentlich nur eine Formalität. Václav wiederholte die erfolgreiche Taktik aus dem Jahr davor: am Anfang Aktivität, dann eine kleine Pause und Attacke in der Zielgerade. Das Resultat war der dritte Sieg in der Velká pardubická. Korok schrieb Turfgeschichte.

D er Stall beschloss, die Karriere von Korok auf ihrem Höhepunkt zu beenden. Er verließ die Rennbahn als der große Champion für die Turfexperten, ein großer Liebling für die breite Öffentlichkeit und beinahe eine Legende für alle. Was nun? Korok bekam eine Lizenz als Deckhengst. Obwohl er durchschnittliche oder sogar schlechte Stuten bekam, kann sich das Resultat in der Zucht sehen lassen. Aus dem Minimum hat er das Maximum gewonnen, ein paar gute Pferde produziert und sich auch als guter Zuchtstutenvater erwiesen. Heutige Experten wundern sich - ein Hindernispferd macht eine gute Karriere in der Vollblutzucht? Ja. Einige Nachkommen von Korok haben wichtige Trials der Dreijährigen gewonnen, gut in klassischen Rennen abgeschnitten und auch in Hindernisrennen eine gute Figur gemacht. Sein bester Sohn war Drak (der Drache), der 1991 unter Václav Chaloupka knapp zweiter in der Velká pardubická wurde, und ein paar Jahre später auch in der Zucht aufgestellt wurde.

K orok hatte ein schönes Leben. Auch im Ruhestand besuchten ihn seine Bewunderer, er blieb Jahre nach seinen Erfolgen einfach ein Pferd, das man nicht vergisst. Sein Freund Václav Chaloupka machte eine große Karriere als Hindernisreiter, später Trainer und nach der „sanften Revolution“ in 1989 auch als Unternehmer. „Korok war das größte und berühmteste Pferd, das ich in meinem Leben getroffen habe. Durch einen seltsamen Zufall verabschiedeten wir uns ein paar Stunden vor seinem Tod. Es schien, als ob er etwas ahnen würde, deshalb hat er mich zu sich gerufen. Ich fuhr damals zufällig ein paar Kilometer neben seinem Stall vorbei, wo er schon viele Jahre seinen verdienten Ruhestand genoss. Eine innere Stimme befahl mir: schau mal bei ihm vorbei. Ich kam in den Stall, überall war Ruhe. Ich öffnete seine Box und sprach ein paar Worte zu ihm. Er kam zu mir und legte mir seinen Kopf auf den Schoß, wie er es vorher so oft gemacht hatte. Auf einmal war mir sehr traurig zu mute, ich hatte Tränen in den Augen. Vielleicht deswegen, weil ich zu sehen glaubte, dass auch er traurig sei. Diese Augenblicke werde ich nie vergessen. Wie alt waren wir denn, als wir uns zum erstenmal trafen? Ich sechzehn, er zwei... Auf einmal erschien der Chef der Farm, der mich schon als Junge gekannt hat. Er sagte: „Was ist, Jungs? Erinnert ihr euch an alte Zeiten?“ Ich nickte nur. Dann fuhr ich weg. Korok ging am Nachmittag so wie immer auf die Koppel, aber bei diesem Koppelgang verletzte sich Korok schwer. Es war eine fatale Verletzung und er musste eingeschläfert werden. Er starb schnell, schmerzlos. Nur ein paar Stunden nach unserem letzten Treffen...“ erinnerte sich Václav Chaloupka viele Jahre später.
Korok starb im Alter von 22 Jahren. Er ruht auf einem der schönsten Plätze, die er sich vorstellen könnte. Gleich neben der Koppel bei seinen Stuten, wo er viel Zeit verbrachte und wo er auch starb. Auf seinem Grab steht ein Grabstein, der jedem Vorbeikommenden sagt, dass hier der dreimalige Sieger der Großen Pardubitzer Steeplechase liegt.
Korok ist bis heute eine der größten Legenden des tschechischen Turfs. Zum letzten Mal konnten wir es im Oktober 2000 sehen, als sein Enkel Peruán zum dritten Mal die Velká pardubická gewonnen hat und seinen berühmten Großvater wieder auf die Titelseiten der Zeitungen brachte. .

Nachsatz:

Tja, ich kann mir vorstellen, dass es Proteste geben könnte, wenn Korok neben Sea Bird oder Secretariat erscheint. Denn er ist halt ein Pardubitzer. Die Velká pardubická in den 60ern war sehr schwer, mit dem heutigen Kurs gar nicht vergleichbar. Falls jemand von den Lesern dann Václav Chaloupka nicht als Koroks Freund und Reiter, sondern als seinen potentiellen Mörder schildern wird, würde ich sehr traurig sein. Aus heutiger Sicht ist es sehr leicht zu urteilen und verurteilen, doch damals war die Tierschutzbewegung nicht so stark. Die Erziehung der Menschen war anders als heute, man sollte begreifen, dass man die Pferde gern hatte und gleichzeitig auch die Velká existierte, was KEIN Gegensatz ist. Ich glaube, dass gerade die Geschichte von Korok sehr gut das Verhältnis zwischen Reiter und Pferd, so wie es sein sollte und in einigen Beispielen auch war, beschreibt. Meiner Meinung hat Korok auf seine Art genauso viel geleistet wie z.B. Secretariat, nur lebte er im falschen Land und vielleicht auch in der falschen Zeit.
Koroks Koroks Leben ist eine der schönsten Legenden des tschechischen Turfs. Ich würde noch gerne dazu sagen, dass Velká pardubická damals in den 60ern viele Pferde rettete. Heute will sich niemand mehr erinnern, aber in den 50ern hatte das kommunistische Regime verkündigt, dass Pferde unbrauchbar sind, von Traktoren abgelöst werden sollten und in Schlachthöfen enden müssten. Velká pardubická machte Pferde in der breiten Öffentlichkeit populär, dank ihr fanden sich Tausende junge Menschen, die in die landwirtschaftliche Betriebe kamen und mit Pferden arbeiten wollten, was Hunderten von Pferden das Leben gerettet hat.

Martin Cap

Quellen: Antonín Jelínek - Dostihová cítanka (1991)
Pavel Kovár - Sampanske s prichuti pelynku (2000)
Turf Magazín (Jahrgang 1998)
Milos Svoboda - 100 rocniku Velké pardubické (1990)
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01.11.2002 © Martin & www.kincsem.de