Deutschland, geb. 1917
v. Dark Ronald a. d. Hornisse v. Ard Patrick
Züchter: Gestüt Graditz
Besitzer: Gestüt Graditz
Trainer: W. Spademann, Hoppegarten
D
ie Welt im dritten Jahr des Ersten Weltkrieges, die erbittert geführten Gefechte zu See und zu Land in den Schützengräben
gingen weiter, das gegenseitige Abschlachten hatte immer noch kein Ende gefunden. Ein paar Daten aus diesem Jahr, die
dem einen oder anderen Leser vielleicht nicht so geläufig sind.
Im Januar sorgt die "Zimmermann-Erklärung" in den USA für tiefe Empörung. Der deutsche Staatssekretär im Auswärtigen
Amt, Artur Zimmermann, sendet über die Deutsche Botschaft in Mexiko ein verschlüsseltes Telegramm an die mexikanische
Regierung. Der Inhalt ist brisant (Auszug): "Gemeinsam Krieg führen. Gemeinsam Friedensschluß. Reichlich finanzielle
Unterstützung und unser Einverständnis, dass Mexiko in Texas, New-Mexiko, Arizona früher verlorenes Gebiet
zurückerobert." Zusätzlich sprach sich Zimmermann dafür aus, Japan zum Kriegseintritt gegen die USA zu veranlassen.
Der diplomatische Schaden war ohne Grenzen, denn in die Briten waren seit 1915 in der Lage den deutschen Marine-Code
zu entschlüsseln. England reichte den aufgefangenen Funkspruch an die USA weiter, das heizte die antideutsche
Stimmung in den USA natürlich weiter an.
Weitere starke Entrüstung der sich relativ neutral verhaltenen Amerikaner rief der Befehl des deutschen Kaisers
Wilhelm II hervor. Unter Druck der Militärs gab seine Hoheit nach und rief "den unbeschränkten U-Boot-Krieg aus", das
hieß, deutsche U-Boote griffen neutrale Handelsschiffe - sofern sie sich in einer bestimmten Sperrzone rund um England
oder Irland befanden - an. Die Gefahr, dass Amerika durch diese weitere Brüskierung immer mehr in den I. Weltkrieg
getrieben wurde und ein offizieller Gegner Deutschlands werden konnte, wurde sträflich unterschätzt.
US-Präsident Wilson ließ den "Zimmermann-Funkspruch" am 1. April, einen Tag bevor die Entscheidung über den
Kriegseintritt fiel, veröffentlichen. Am 6. April hatten die Entente-Staaten einen neuen Verbündeten, die USA trat in den
Ersten Weltkrieg ein.
Er war der erfolgreichste Jagdflieger mit 80 Abschüssen im Ersten Weltkrieg. Als sein Erfolgsgeheimnis galt, dass er im
Luftkampf denkbar wenig dem Zufall überließ, er versuchte seine Aktionen und die wahrscheinlichen Reaktionen seiner
Gegner möglichst detailliert vorauszuplanen. Seine Gegner in der Luft nannten ihn wegen seines leuchtend rot lackierten
Fokker-Dreideckers respektvoll den "Roten Baron". Manfred von Richthofen, geb. 1892, begann 1912 seine militärische
Laufbahn - allerdings bei der Kavalarie. 1915 legte er sein Schlussexamen als Pilot ab. 1917 übernahm Manfred von
Richthofen als Kommandeur das I. Jagdgeschwader. Am 21.4.1918 ereilte den hochdekorierten Offizier im Luftkampf bei
Vaux-sur-Somme in Frankreich das Schicksal.
Zunehmend war Zar Nikolaus III. in den letzten Jahren immer stärker unter Druck der russischen Revolution geraten. Im
März dankte der Zar ab, wurde verbannt und inhaftiert. Damit endete die Ära der Dynastie der Romanow, die seit 1613
das Riesenreich beherrschte. Im Juli 1918 wurde die Zarenfamilie in Jekaterinenburg (Ural) von der Geheimpolizei
"Tscheka" erschossen.
Ihr bürgerlicher Name lautete Margareta Geertruida Zelle, unter ihrem Künstlernamen "Mata Hari" faszinierte die
Niederländerin mit ihren "fernöstlichen" Tänzen vor dem Ersten Weltkrieg das Publikum in den Salons und Bühnen in
Europa. Zahlreiche Legenden wurden über sie gesponnen, welche sie selber auch gerne nährte. Als der Erste Weltkrieg
ausbrach und "Mata Hari" nicht mehr der Mittelpunkt der Pariser Szene war, ließ sie sich vom deutschen Geheimdienst
für 20.000 Mark als Agentin anwerben. Ihre Motivation rührt wohl nicht aus politischen Gründen sondern lag eher
dahingehend begründet, dass sie auf den gewohnten luxuriösen Lebensstil nicht verzichten mochte. Ihre Agententätigkeit
kam ans Tageslicht und Frankreich verurteilte sie zum Tode - ein umstrittenes Urteil. Zwölf Wochen lang - Frankreich und
Deutschland verhandelten ergebnislos über einen Austausch - musste die schöne Spionin auf die Vollstreckung warten.
Die erbitterte Feindschaft zwischen den Juden und den Palästinensern im Nahen Osten erhielt im November durch
die Balfour-Deklaration (Befürwortung seitens des britischen Außenministern James Earl of Balfour zur Bildung eines
jüdischen Staates im britischen Protektorat Palästina) neue Nahrung und wurde zum Hauptargument der jüdischen
Forderungen nach einem eigenen Staat.
D
en deutschen Züchtern, die vor dem Ersten Weltkrieg mit ihren Stuten lieber zur Bedeckung ins Ausland gingen bzw. Renn-
und Zuchtpferde aus dem Ausland importierten - die konsequente Ausrichtung bzw. Ansiedlung einheimischer Blutlinien
steckte noch in den Kinderschuhen - waren mit Ausbruch des Krieges von "allem was gut und teuer war" abgeschnitten.
Zwangsweise mussten sich die Züchter auf die in Deutschland aufgestellten Deckhengste konzentrieren, die heimische
Streitmacht nutzte die Gelegenheit und empfahl sich nachdrücklich. Allen voran der Graditzer Ire
Dark Ronald (1913
importiert), die Festa
-Söhne Fels und Fervor sowie der Graditzer Franzose Nuage, ebenfalls in
Graditz aufgestellt, sollten auch nach Beendigung des Weltkrieges in Deutschland als Vererber weiterhin dominieren, denn die vierjährige
kriegsbedingte Vereisung aller Verbindungen zu ausländischen Züchtern musste erst einmal wieder aufgetaut werden -
Kriege hinterlassen Wunden mannigfacher Art.
D
ie Graditzerin Ard Patrick-Tochter Hornisse erhielt 1916 Dark Ronald
zum Partner, dessen erster Jahrgang
in Deutschland zu diesem Zeitpunkt gerade einmal zwei Lenze zählte und somit nicht beurteilt werden konnte. Hornisse
selber konnte auf eine sehr erfolgreiche Rennlaufbahn zurückblicken. Bei neun Starts kam die Stute fünfmal als Siegerin von
der Bahn, wurde zweimal von ihren Gegnern auf den zweiten Platz "gesetzt" (z. B. Preis der Diana), einmal Dritte und einmal
ganz weg. 1917 fohlte sie dann ein dunkelbraunes Hengstfohlen, das auf den Namen Herold getauft wurde. Der
zweijährige Herold war ein Sorgenkind. Nach nur einem Start im Oktober in einem Maiden-Rennen, welchen er unter Jules
Rastenberger gleich in einen Sieg ummünzte, gingen seine Vorderbeine aus dem Leim, sein Vater hatte ihm seine
berüchtigten "Schlacker-Beine" mit ins genetische Marschgepäck gepackt. Der Gestütstierarzt brannte die Gleichbandbeine
vorne - eine heute noch sehr umstrittene Behandlungsmethode, aber Herold hat sie geholfen, denn er ging danach nie
wieder lahm.
S
ein Saisondebüt gab der Graditzer Hengst im Mai im Flageolet-Rennen, wieder mit Jules Rastenberger im Sattel, der sein
ständiger Partner werden sollte. Beide schickten Wallenstein (der in der Zucht später vor allen Dingen mit Alba
von sich reden machte) und Puschkin auf die Plätze. Damals wurde auf
der Rennbahn im Grunewald das Henkel-Rennen ausgetragen - 14 Tage später "patzte" Herold im ersten Klassiker
und musste sich den zweiten Rang auch noch mit Wallenstein teilen. Der Sieger hieß übrigens Pallenberg.
Kennt den jemand;-)?
H
erolds Umgebung ließ die Union sausen und starteten den Dunkelbraunen in dem für dreijährige und ältere Pferde
ausgeschriebene Fels-Rennen. Herold und "Jules" rückten mit einem Sieg über Asra und Leichtsinn
die Graditzer Welt wieder in ihre Ordnung.
I
m Gegensatz zu vielen Jahren zuvor präsentierten sich die Hamburger-Renntage im Jahre 1920 von ihrer besten Seite.
Die Sonne schien, die "wilden Zwanziger" standen schon in ihren Startlöchern, die Rennbahnbesucher strömten in Scharen
nach Horn und setzten am Totalisator fünfeinhalb Millionen Mark um. Horn glich einer Insel, von der schwellenden
Unzufriedenheit, von den Hungerunruhen, die am Derbyvorabend in Hamburg ausgebrochen waren und Reichspräsident
Ebert zur Verhängung des Ausnahmezustands über die Hansestadt veranlassten, bemerkte auf der Bahn niemand etwas.
V
ier Tage vor dem Deutschen Derby präsentierte sich Herold im Nickel-Rennen in Hamburg-Horn, welches er blendend
aussehend gegen Liebhaber und Falter völlig überlegen gewann. Als Derbyfavorit an den Start zu gehen, hätte
für Herold eigentlich nur eine Formsache sein dürfen. Aber der Union-Sieger Nubier, ebenfalls ein Dark
Ronald-Sohn, dazu noch mit nobler vierbeiniger Verwandtschaft mütterlicherseits, machte Herold die Favoritenrolle
streitig. Der Oppenheimsche Hengst, ein wahrer Herkules, hatte mit den Siegen im Großen Preis des Winterfavoriten,
im Großer Preis von Hamburg und eben in der Union Kurs auf Hamburg genommen. Nun die Union, die hatte Nubier
nur mit Hängen und Würgen gewonnen, aber seine Anhänger nahmen das nicht so tragisch. Nubier ging in das Derby
als 13:10 Favorit, Herold rangierte auf dem Wettmarkt bei 51:10. Wie schrieb die Sport-Welt seinerzeit recht kess:
"Man braucht sich über das Derby diesmal nicht gar zu sehr abzuquälen. Es liegt kein Grund vor, um an Nubier trotz aller
Ausstreuungen und Hintertreppengerüchte aus Buchmacherkreisen irgendwie irre zu werden..."
N
a ja, bis zum Schlussbogen wurde man auch nicht irre, Nubier zog in der Geraden leicht in Front, seine Anhänger
waren siegesgewiß, ‚Nubier macht das Rennen!' ‚Nubier holt sich das Derby!" Aber hundertfünfzig Meter vor
dem Ziel rauschte "Jules" mit seinem Herold heran, mit leichten, federnden Riesensätzen zog Herold an
Nubier vorbei, einem leichten Sieg entgegen. Einen Moment herrschte Stille, aber dann rissen die Anhänger der
schwarzweißgestreiften Farben alle mit. "Herold!" "Herold!" "Herold!" gellte es über Hamburg-Horn.
H
erold war ein würdiger Derbysieger, er beließ es nicht beim Sieg im Derby. Es folgten die Siege im Großen Preis
von Berlin, St. Leger und im Gladiatoren-Rennen. Von neun Rennen hatte das einstige Sorgenkind acht Rennen gewonnen
und musste sich nur einmal mit Platz zwei begnügen. Der Hengst wird von Zeitgenossen als sehr edles, lebhaftes mit
explosivem Speed ausgestattetes Pferd von mittlerer Größe beschrieben. Er war ein Idealbild eines Vollblüters, der
sogar den strengen Anforderungen seiner Aufzuchtsstätte standhielt, denn Graditz holte Herold heim und
stellte ihn als Deckhengst auf. Herold vererbte sich hervorragend, er heimste zweimal den Titel Championvater
ein, stellte drei Derbysieger Lupus (1928), Dionys (1931) und Alchemist (1933) - wobei über seinen
letzten Sohn, und dessen Nachkommen Birkhahn, über Literat , über Surumu, über Acatenango
Deutschlands aktuell erfolgreichste Hengstlinie präsentiert wird. Herold ist also das zweite Bindeglied in der
Dark Ronald -Hengstlinie.
S
ehr traurig war das Ende dieses großen Pferdes, Herold war im Jahre 1945 sehr alt geworden. Graditz musste am
15. April von der heranrückenden Roten Armee evakuiert werden, Herold konnte nicht mit, er hätte die lange
strapaziöse Reise nie überstanden. Vielleicht hat man ihn Graditz zurückgelassen in der vagen Hoffnung, dass ihn jemand
findet der das Pferd erkennt. Leider war dem nicht so, so alt wie er war, weigerte er sich standhaft, sich von Soldaten der
Roten Armee vor einen Wagen spannen zu lassen und wurde erschossen.
D
amit niemand auf die Idee kommt, ich hätte alles im Kopf gibt es hier ein
Literaturverzeichnis . Hinzugekommen ist ein separater
"Altertums;-)-"Statistikteil, der sukzessiv erweitert wird.
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berühmte Pferde - ihre Geschichten und Legenden.
01.11.2002 © www.kincsem.de