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Godolphin
Arabian
geb. ca. 1724 - 1725
Abstammung unbekannt
B
eutepferd" der eine, "Schmuggelpferd" der andere. Nach der Legende
könnte man Godolphin Arabian das "Karrenpferd" nennen. Die Geschichten,
die sich um Godolphin Arabian ranken, sind wildabenteuerlichromantisch...
D
er Bey von Tunis machte König Ludwig XV. von Frankreich ein überaus
kostbares Geschenk und sandte auf dem Schiffswege vier edle orientalische
Pferde an seinen Hof. Unter ihnen ein ungefähr fünf bis sechs Jahre
alter Hengst namens Sham, der unter dem Namen Godolphin Arabian
jedem Freund der Rasse Vollblut ein Begriff ist. Ob Sham die
lange, strapazenreiche Seereise nicht gut weggesteckt hat oder einfach
nicht dem pferdlichen Schönheitsideal der Franzosen entsprach - wer
kann das heute noch überprüfen. Sham ließ jedenfalls die Herzen
der Franzosen nicht höher schlagen, sie glaubten dem Stammbaum und der
damit verbrieften vornehmen Herkunft nicht. Auf unbekannten Wegen gelangte
der Hengst dann in den Besitz eines Wasserträgers, der ihn vor seinen
Karren spannte. Sham, aus der Wüste Nordafrikas ein freies Leben
gewohnt, zog den Karren und hat wohl ein kümmerliches Dasein gefristet,
bis eines Tages Edward Coke ihn entdeckte. War es seine feine Nase für
Pferde, die ihn tiefer blicken und in dem heruntergekommen Karrengaul
den Adel des Orientalen erkennen ließ? War es Mitleid? Egal, jedenfalls
erwarb er den Hengst für 15 Louisdor und nahm ihn 1729 mit in seine
Heimat England. Sham's Leidensweg nahm noch kein Ende: erst gelangte
er in den Besitz eines Londoner Kaffeesieders und landete nach einiger
Zeit im Gestüt Gogmagog im Besitz des Earls of Godolphin. Aber auch
dort musste Zeit ins Land gehen, bevor der Hengst überhaupt anerkannt
wurde - Sham erfüllte erst einmal die niederen Aufgaben eines
Probierhengstes. Armer Kerl! Seine Stunde schlug, als der Deckhengst
des Gestütes Hobglobin die Stute Roxanna nicht decken
wollte, konnte oder die Pferdedame ihn einfach nicht ließ. Sham
durfte... und heraus kam Lath, eines der berühmtesten Rennpferde
seiner Zeit.
N
ette Geschichte, nicht war? Aber wie das so mit Legenden ist - wo sich
Dichtung und Wahrheit verweben: nicht ganz korrekt. Fakt ist: Sham war
ein Geschenk des Beys von Tunis an Ludwig XV. Zweifelsohne fand der
Hengst keine Gnade vor den Augen des Bourbonen-Hauses, bevorzugte man
dort doch üppigere Artgenossen, die etwas darstellten und nicht so einen
schmächtigen Knirps. Die Pferdeleute aus Britannien, die schon seit
Jahrzehnten fleißig orientalisches Blut einführten, waren nicht so oberflächlich
und getreu dem Motto "handsome is what handsome does"(schön ist, was
etwas leistet) sahen sie genauer hin. Anders: der Kontinent ritt, England
züchtete... Außerdem waren Pferde aus dem orientalischen Raum immer
noch viel zu rar und zu kostbar, als das man sie so schnöde als Probierhengst
einsetzte. Mit Verlaub - jeder x-beliebige andere Hengst aus anderen
Zuchten hätte dies ebenso gut gekonnt.
B
ack to the facts: Edward Cox stellte Sham als Deckhengst auf
seinem Gestüt in Derbyshire auf. 1731 begegneten sich dort Roxona
und Sham, und als Ergebnis präsentierte sich besagter Lath. Hobglobin
taucht überhaupt noch nicht auf (erst 1738 bezog er die Paschabox im
Gestüt des Earl of Godolphin, da war Roxanna aber seit vier Jahren
in den ewigen Weiden...). Cox starb 1733 und hinterließ den Hengst dem
Londoner Kaffeehausbesitzer Roger Williams, welcher im Nebenberuf als
"Pferdeagent" tätig war. Sham wurde an den Earl of Godolphin
weitergereicht und ging dort als Godolphin Arabian in die Analen
ein. Godolphin Arabian erreichte das biblisches Alter von ungefähr
29 Jahren. Der Hengst starb 1753 an einem Weihnachtsabend und wurde
neben dem Tor zu den Ställen begraben. Ihm wurde ein Stein mit einer
Widmung auf das Grab gelegt, den man noch heute im Bogengang des Stallblocks
des Gebäudekomplexes des Wandlebury Rings bewundern kann.
D
ie wenigsten Hengste aus der Gründungszeit der Rasse Vollblut
wurden in Rennen erprobt. Stellt sich die Frage, warum die Engländer
soviel Mühe aufwandten und die Orientalen für viel Geld auf die Insel
holten. Waren sie damals schon so clever und wußten um die durchschlagende
Wirkung des Blutes einer über Jahrhunderte durchgezüchteten und durch
Witterungen abgehärteten Rasse? Oder war es einfach ein Zufall? Wohl
kaum ...
D
amit niemand auf die Idee kommt, ich hätte alles im Kopf gibt es hier ein
Literaturverzeichnis . Hinzugekommen ist ein separater
"Altertums;-)-"Statistikteil, der sukzessiv erweitert wird.
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berühmte Pferde - ihre Geschichten und Legenden.
01.11.2002 © www.kincsem.de