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Festa
England, geb. 1893
v. St. Simon a. d. L' Abbesse de Jouarre v. Trappist
Züchter: Lord Dunraven
Besitzer: Gestüt Waldfried
Trainer: ?

A uch das 19. Jahrhundert war von Seuchen, die die Menschen in ihrer Unaufgeklärtheit und damit Hand in Hand gehender mangelnder Hygiene dahinrafften, geprägt. Aber im ausgehenden 19. Jahrhundert machten Forschung und Medizin miteinander ziemliche Sätze, hier einige Beispiele: Die Erreger von verschiedenen Krankheiten wie Wundstarrkrampf (Nicolaier), Diphterie (Löffler), Cholera (Robert Koch) und Typhus (G. Gaffky) waren Anfang der 80ziger entdeckt worden und die Forschung ging weiter. Koch entdeckte den Tuberkelbazillus und erzeugte später Tuberkulin. Behring entwickelte 1893 das Serum gegen Diphtherie, zwei Jahre später entdeckten unabhängig voneinander Yersin und Kitasato den Pestbazillus. 1897 entdeckte Koss die Malariaübertragung durch die Anopheles-Mücke, 1899 gab es erstmalig das Medikament, das noch heute alle kennen: Aspirin (Einführung durch Dreyer).
1893 erholte sich die Derbystadt Hamburg langsam von der furchtbaren Cholera-Epidemie, die am 18. August 1892 in den Armenhäusern der Hansestadt ausgebrochen war, vor keiner Tür, ob reich ob arm, Halt machte und den tausendfachen Tod brachte. Robert Koch, der neun Jahre zuvor den Cholera-Erreger in Ägypten entdeckt, wurde eilends von Hamburg nach Berlin beordert. Als Chef des Institutes für Hygiene und Infektionskrankheiten der Uni Berlin hatte er die Aufgabe, sich vor Ort von den Hamburger Maßnahmen zur Eindämmung der Gefahr ein Bild zu machen und Hilfestellung zu leisten. Er berichtete nach Berlin, dass er noch nie so ungesunde Wohnungen, Pesthöhlen und Brutstätten für Ansteckung gesehen wie in den Gängevierteln, im Hafen, in der Stein-, in der Niedern- und in der Spitalerstraße! Professor Koch ergriff mit harter Hand Maßnahmen, sperrte den Hafen (übrigens brach Panik nicht in Hamburg sondern in anderen Städten gegenüber Hamburger Bürgern aus, die weit vor Ausbruch der Epidemie zu Gast in die eine oder andere Stadt gekommen waren. Die Menschen gingen soweit, Angst vor Briefen zu haben und diese ungeöffnet an den Hamburger Absender zurückzusenden). Koch gab Verhaltensmaßregeln aus, schaffte aus dem Umland tonnenweise reines Quellwasser nach Hamburg, richtete Desinfektions-Stationen und Sanitätswachen ein; Garküchen auf öffentlichen Plätzen gaben - streng kontrolliert - bakterienfreie Mahlzeiten aus und, und...
Am 16. November 1892 war Hamburg "seuchenfrei". Eingeschleppt wurden die Cholera-Erreger vermutlich von einem Schiff aus Le Havre, die Bakterien fanden den Weg über die Elbe in den Wasserleitungen über das Wasserwerk Rothenburgsort, das keine Filtrieranlage hatte. Das jahrelang geplante - aber aufgrund von "Ebbe in der Kasse" nicht Recht in Angriff geplante neue Schöpfewerk auf der Elbinsel Kaltehof ging 1893 in Betrieb. Die neuen Elbwasserfilter stoppen die Seuchengefahr in Hamburg. Upps, ziemlich abgeschweift... sorry;o)

A ber nun endgültig zu Festa. Über St. Simon noch etwas zu erzählen, hätte etwas vom Tragen der berühmten Eulen nach Athen, aber über Festas Mutter gibt es einiges zu berichten. L' Abbesse de Jouarre, geb. 1886, gewann 1889 die Oakes für ihren Besitzer Lord Randolph Churchill! Kein Tippfehler: Lord R. Churchill war der Vater von niemand anderes als Winston Churchill, nicht nur Gegenspieler Deutschlands im 2. Weltkrieg 3. Reich sondern auch Pferdefreund von Jugend an. Ein vielleicht nicht so bekannter Ausspruch des ehemaligen Premierministers war: "Gebt einem Sohn kein Geld, aber gebt ihm Pferde, wenn ihr es euch leisten könnt. Durch Reiten ist noch nie einer zu Schaden gekommen, es sei denn in Ehren. Das ist aber, wenn es im vollen Galopp geschieht ein sehr schöner Tod." Unvergessen für alle die dabei gewesen sind, ist sein Besuch am 26. Juli 1956 in Düsseldorf-Grafenberg. Massen in nie gekannter Zahl strömten zur Bahn, leider blieb an diesem Tag Churchills Rennfarbe sieglos.

L' Abbesse de Jouarre's erstes Fohlen war 1893 Festa, ihr Züchter Lord Dunraven hatte große Pläne mit der fein gezogenen St. Simon-Tochter, aber Festa riß bei 22 Starts keine großen Bäume aus, siegte zweimal, war zehnmal platziert und erntete insgesamt 365 Pfund. Für Lord Dunraven brachte sie in der Zucht nach schwachem Start zwei Fohlen, den Hengst Salute von Carbine und die Stute Festal Air von Ayrshire, von dem sie 1901 tragend war.
Auf der Auktion in Newmarket im Dezember 1901 kaufte Arthur Weinberg für den Norddeutschen Zuchtverein Festa für ungefähr 1.000 Guineas (22.000 Mark). Einige Zeit später erwarb Herr Weinberg die Stute für rund 10.000 Mark auf der hauseigenen Auktion des Züchtervereins für sein Gestüt Waldfried. Ob Herr Weinberg ahnte, dass er eine Stute erwarb, die in ihrer neuen Heimat gewaltige Reserven besaß, die mit ihren Nachkommen in die Phalanx der ausländischen Sieger in den großen deutschen Rennen einbrechen würde? Die Jahre später die Franzosen, die zum Beispiel Baden-Baden als hauseigene Domaine betrachteten und es sich angewöhnt hatten, bei den ausgeschütteten Rennpreisen die Sahne abzuschöpfen, zu dem resignierenden Ausspruch hinreißen liessen: "... wenn in Iffezheim wieder die Kinder der Festa laufen, starten wir nicht..." Das Gewohnheitsrecht der französischen Nachbarn hatte durch die Festa-Kinder einen empfindlichen Dämpfer bekommen, sie waren nicht unschlagbar, aber sie liefen in einer Vielzahl großer Rennen ihren Konkurrenten einfach davon. Doch der Reihe nach:

1902 kam Festino von Ayrshire auf die Welt, der erste Brummer Festas. Der Hengst sammelte 18 Siege und heimste an Preisgeldern 308.975 Mark ein. Der zu Beginn seiner Rennkarriere als launisch eingestufte St.-Simon-Enkel Festino gewann für seinen Besitzer u. a. das Union-Rennen, den Großen Hansa-Preis, den großen Preis von Baden. Im Deutschen Derby unterlag der Hengst der neuen ungarischen Wunderstute Patience (Anmerkung: so die Hoffnung der Ungarn, aber an Kincsem kam sie weder renn- noch zuchtmäßig heran) in einem ziemlich deftigen Endkampf. Festino zog mit leichter Aktion vorne weg seine Kreise, dahinter Patience mit gleicher mächtiger Galoppade in Lauerstellung. Eingangs des Schlussbogens griff die Ungarin an und zog mit drei, vier mächtigen Sätzen an den Waldfrieder heran, war vorbei und strebte eigentlich einem sicheren Sieg entgegen. Aber dann passierte es... die Stute kam schlecht um die Ecke, verlor ihren Takt und auch ihren Vorsprung. Als die phlegmatische Stute wieder anzog, geschah das in langsamerer Pace und Festinos Jockey van Dusen versuchte sein Glück und startete einen Überrumpelungsangriff. Festino und van Dusen schoben sich auch an Patience heran, Patience drängte in Festinos Spur, der Hengst musste aufgepullt werden, wahnsinnige Aufregung machte sich breit und das Wort "Protest" gellte über die Bahn. Aber Weinbergs verzichteten auf den Protest, man war der Meinung, dass Patience so oder so gewonnen hätte.
In der Zucht bescherte Festino u. a. den immer wieder in der Geschichte Otto Schmidts auftauchenden Amorino, welcher "Otto-Otto" als Lehrling (!) den ersten Derbysieg ermöglichte, und den sehr erfolgreichen Pergolese.

1903 brachte Festa von Hannibal im Gestüt Graditz ihren richtigen Erstling für Waldfried (Festino ging noch auf die züchterische Kappe von Lord Donraven). Ein auffallend gezeichnetes braunes Hengstfohlen; länglicher weißer Stirnfleck, Milchmaul und drei weiße Socken.
Schon dem sonst mit Lob und Kritik recht knauserig umgehenden Graditzer Gestütsleiter, Graf Lehndorff, fiel das Fohlen auf und er meinte: "...Da hat Hannibal wohl ein Meisterstück geliefert...". Das "bunte" Fohlen erhielt den Namen Fels und mauserte sich zu einem imposanten Rennpferd mit ausgeglichenem Temperament und außergewöhnlicher Klasse. Drei Jahre hintereinander war er das gewinnreichste Pferd, das erste Mal als Zweijähriger - das hat bis heute kein anderes Pferd geschafft (ja, ja - das Management eines Pferdes und die Rennpreise sind heute völlig anders strukturiert).
Mit Fels setzte Festa wirklich noch einen drauf. Bei 19 Starts verlor der braune Hengst nur ein einziges Rennen. Vor dem Deutschen Derby startete er mit zu wenig Kondition im Gepäck im Österreichischen Derby und musste sich dem auf dem Punkt topfiten Morpeth geschlagen geben. Sein Ruf war ein ganz klein wenig angeknackst, es reichte aber um die damals fast auf Siege abonnierten Österreicher im Deutschen Derby vom Start abzuhalten. Für Fels wurde das Derby zu einem Spaziergang, mit vier Längen canterte der Waldfrieder vor den Augen des Kaisers locker nach Hause. Nach dem Derby musste Fels wegen eines Hufspalts 12 Wochen pausieren, die Pause hinderte Fels nicht daran, seine folgenden sieben Starts in Siege umzumünzen. Fels gewann u. a. das Zukunfts-Rennen, Rabitor-Rennen, Preis des Winterfavoriten, Henckel-Rennen, Hansa-Preis, Großen Preis von Berlin (nur um die vielleicht heute noch bekannten Rennen zu nennen). Mit einer Gewinnsumme von 417.310 Mark startete der Hengst seine Gestütskarriere, in der viele große Sieger stellte. Fels hatte nur das Pech sich zu seiner Zeit mit solch Größen wie Dark Ronald, Nuage und seinem älterem Bruder Fervor auseinandersetzen zu müssen. 1925 mußte Fels, sich selber zur Last fallend, aufgegeben werden.

1904 gab es dann mit Fabula den ersten und einzigen weiblichen Nachwuchs von Festa, als Herr Papa zeichnete wiederum einmal Hannibal. Auch Fabula war nicht aus der Art geschlagen, zweijährig zeigte sie all ihren Gegnern die Eisen und beendete ihre erste Saison ungeschlagen. Insgesamt gewann die Waldfriederin elf Rennen (u. a. Zukunfts- und Henckel-Rennen, Goldene Peitsche) und brachte 212.075 Märker in die Gestütskasse. Im Gestüt oblag es nun Fabula die Familie Festa weiterzuführen bzw. Festa als Stammmutter zu etablieren und das wäre fast ins Auge gegangen. Glücklichweise lieferte Fabula gleich zu Anfang ihrer Zuchtlaufbahn zwei Stutfohlen, Fabella und Favilla, denn 1914 wurde Fabula zu William The Third (ebenfalls wie Festa von St. Simon - uih, da haben die Brüder Weinberg ganz schön "enge" Zuchtgedanken gehegt) nach England zur Bedeckung geschickt. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde die Waldfriederin von den Engländern "kassiert" (Kriegsrecht geht vor Zivilrecht) und auf einer Auktion vom Marquis San Miguel gekauft, der die Stute nach Spanien sandte. Hier verliert sich für mich ihre Spur. Fabulas beiden Töchtern gelang es aber mit ihren Nachkommen die Linie der Festa bis in die heutige Zeit zu erhalten.

1 905 kam ein "Produkt" des Zufalls mit Namen Faust auf die Welt. Festa war ursprünglich zu den aus England importieren Derbysieger Ard Partrick gebucht. Aber wenn ihre Abstammung auch noch so nobel war, die Rennleistungen waren zu bescheiden (das alle Festa Cracks am laufenden Band brachte, konnte niemand zu diesem Zeitpunkt ahnen - Festino war zu diesem Zeitpunkt noch keine drei Jahre alt), dem Königlich Preußischen Hauptgestüt Graditz war Festa für Ard Partrick nicht gut genug und man ließ die Stute mit dem schon recht betagten Saraband Hochzeit feiern. Das Ergebnis war der Goldfuchs Faust, ein großes, muskulöses Pferd, der trotz eines Fels oft als bester Nachkomme von Festa bezeichnet wird. Zweijährig war er nicht ganz auf dem Posten, gewann aber die beiden Rennen in denen er aufgeboten wurde nach Belieben. In einem dieser Rennen schlug er den späteren Derbysieger Sieger, den ersten Derbysieger des Gestüts Schlenderhan. Auf die Dreijährigen-Kampagne mit Namen Faust war man in Waldfried gespannt, denn der Hengst hatte in den beiden Rennen eine Menge Können gezeigt. Aber es lief nicht alles nach Wunsch, eine schmerzhafte Knochenaufreibung machte erst einmal alle Hoffnungen zu nichte. Der Fuchs musste einige Monate aussetzen und die klassischen Rennen liefen ohne ihn ab. 1908 wurde Faust der Öffentlichkeit erstmals wieder vorgestellt, er heimste kurz hintereinander zwei Siege ein und wurde dann auf die Rennen für das Herbstmeeting in Baden-Baden vorbereitet. Was Faust im Tal der Oos veranstaltete sucht in Deutschland seines gleichen, er gewann innerhalb von acht Tagen drei der renommiertesten Rennen, Höhepunkt war natürlich der Große Preis von Baden, bei dem der Waldfrieder zwei sehr gute Franzosen überlegen mit fünf Längen abfertigte. Zwei Monate später setze er in Wien, im Austria-Preis über 1300 m (!), noch einen drauf! Denn um an diesem Rennen teilzunehmen und möglichst natürlich auch zu gewinnen, musste Faust "umgestellt" werden, zuvor waren ja seine Qualitäten als Steher trainiert worden, nun war der Flieger in Faust gefragt. Für Faust war das keine Klippe, er rang in Wien seinen Widersacher mit einem Kopf nieder und steigerte seine Jahresgewinnsumme auf satte 213.600 Mark, ein Betrag den bis dato noch kein anderes Pferd innerhalb eines Jahres zusammengaloppiert hatte.
Im Mai 1909 machte der Hengst bei seinem Erstauftritt in der Goldenen Peitsche in Hoppegarten mit der Konkurrenz nicht viel Federlesen. Zwei Wochen später kassierte er die erste und einzige Niederlage in seiner brillanten Rennkarriere, Faust hatte 66 Kilo aufgebürdet bekommen, die Briefmarke im Feld, ein Pferd mit Namen Lapis Lazuli, trug nur 47 Kilogramm. Nach Meinung der Fachleute hätte Faust trotzdem gewinnen können, so schrieb Dr. Richard Sternfeld, einer anerkannter Turfexperte seiner Zeit: "Der Grund für die Niederlage ist ein ganz anderer, nämlich die totale Unfähigkeit seines Reiters, des Amerikaners Notter. Der neue Stalljockey, der sich in seiner Heimat als Kraft ersten Ranges bewährt hatte, war für die anders gearteten deutschen Rennen vollständig ungeeignet, vor allem aber ganz außerstande, ein träges Pferd wie Faust zur Hergabe seiner vollen Geschwindigkeit zu zwingen. Das und nichts anderes ist der Grund für Fausts erste und einzige Schlappe!"
Ein paar Tage später schlug der Turfteufel zu. Fausts verletzte sich eigentlich relativ harmlos in der Box. Kurz darauf folgte eine Darmverschlingung mit tödlichem Ausgang - ein bitterer Schlag für die Züchter Weinberg. Niemand kann in die Zukunft sehen, aber würdiger Ersatz, der war schon da: das letzte Fohlen der Festa stand schon in den Startlöchern um seinen berühmten Geschwistern nachzueifern.

1906 rutschte Fervor auf die Welt, ein Sohn des englischen Triple Crown-Siegers Galtee More (ihm verdankt die hiesige Vollblutzucht auch eine Orchidee II, die Mutter des großen Oleanders). Da mag es vielleicht anfangs leichtes Stirnrunzeln gegeben haben, denn das Fohlen Fervor machte keinerlei Eindruck, er war sehr klein und ziemlich struppig. Aber als Jährling sah die Sache schon ganz anders aus und man wusste, dieser Sohn der Festa würde auch seinen Weg machen. An die Rennklasse seiner beiden Halbbrüder Fels und Faust kam der Schwarzbraune nicht so recht heran, aber sein Leistungsvermögen auf den Distanzen von 1200 bis 2800 Meter war schon ungeheuer beeindruckend. Fervor war von Statur her eher klein zu nennen, aber es war schon imponierend, wo er die Kraft hernahm und in manchem Rennen bis zu 68,5 Kilo über die Bahn schleppte und nie aufgab. Ein weiteres Beispiel für Treue und Härte eines Vollblüters. Außerdem sollte man vielleicht auch wissen, dass Fervors Rennkarriere nicht ganz rund lief, z. B. machte ihm Zeit seines Lebens ein Unterkieferbruch empfindlich im Gebiß. Als Jährling hatte er sich aus blankem Übermut im Vorbeigaloppieren in einen Balken der Koppeleinzäunung verbissen, Folge: Fraktur der linken Kinnlade. Dies war auch der Grund, warum Fervor in der Endphase eines Rennens - auf's äußerste gefordert - oft nach rechts wegbrach. Einige Niederlagen verpassten dem Hengst aber auch seine Reiter, die ihn hin und wieder grottenschlecht ritten.
Fervor wurde in sechs Rennjahren geprüft, startete in 57 Rennen, errang 19 Siege (u. a. Großer Preis des Winterfavoriten, Henckel-Rennen, St. Leger, Goldene Peitsche) und 30 fette Platzgelder gaben bei ihm eine Gewinnsumme von 432.590 Mark - mehr hatte bis dato noch kein deutscher Galopper verdient.
1913 stellte ihn das Gestüt Waldfried als Deckhengst auf. Die hiesigen Züchter hielten sich mit Buchungen zurück, irgendwie vertraute man den aus dem Ausland importieren Deckhengsten mehr bzw. war gewillt, seine Zuchtperle auch ins Ausland zur Bedeckung zu schicken. In den Jahren 1914 bis 1920 erhielt Fervor von den damals großen Zuchtstätten, Graditz, Schlenderhan und Walburg, nur zwei Stuten und das waren bestimmt nicht die besten. Aber Fervors Leistungen als Vaterpferd waren eigentlich nicht zu übersehen, doch mussten ihm und einigen anderen erstklassigen Inländern der Erste Weltkrieg zur Hilfe kommen. Durch die mit dem Krieg verbundenen Restriktionen war die Gilde der Züchter gezwungen, die hiesigen Hengste, über die man sonst nur die Nase gerümpft hatte, mit ihren Zuchtstuten aufzusuchen. Und siehe da, die einheimische Riege bewährte sich bestens. Viermal (1923 - 1926) wurde Fervors zum Champion-Deckhengst gekürt, fast mit jeder Stute brachte er einen guten Nachkommen und durch die 1200 Siege seiner Kinder blieb die Familie der Festa immer im Gespräch.

Das waren Festa und ihre berühmten Kinder Fels, Festino, Fabula, Faust und Fervor, 1902 bis 1906 - jedes Jahr brachte Festa ein Klassepferd, wie es sich jeder Züchter nur wünschen konnte. Bis zu ihrem Tod 1914 blieb Festa - Ausnahme 1908 verfohlt - güst. Ihre fünf "F's" starteten in 134 Rennen, gewannen 75 Rennen und ernteten 1.630.000 Goldmark. Wenn zu Festas Zeit schon der Titel "Weltzuchtstute" zu vergeben gewesen wäre, Festa hätte den Titel verdient.

D amit niemand auf die Idee kommt, ich hätte alles im Kopf gibt es hier ein Literaturverzeichnis . Hinzugekommen ist ein separater "Altertums;-)-"Statistikteil, der sukzessiv erweitert wird.

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01.11.2002 © www.kincsem.de