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Eclipse
England, geb.1764
v. Marske a. d. Spiletta v. Regelus
Züchter: Herzogs William Augustus von Cumberland
Besitzer: Colonel Dennis O'Kelly
Trainer:
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1 764 siedelten sich die von Zarin Katharina II. in ihr Land gerufenen Deutschen an der Wolga an, der Jesuitenorden
wurde in Frankreich verboten, Preußen und Russland schlossen ein Bündnis, Polen wurde nach der Wahl Stanislaus
Poniatowskis zum polnischen König russischer Vasallenstaat - und in England? In England kam Eclipse zur Welt, ein
Gigant als Rennpferd und als Vererber - übrigens: nach seiner Geburt hörte das Einkreuzen des orientalischen Blutes
nach und nach auf - die Rasse Vollblut war in ihren Grundzügen "fertiggestellt".
E
clipse (deutsch Sonnenfinsternis) wurde während einer Sonnenfinsternis vermutlich auf dem Cranborne Lodge Gestüt
des Herzogs William Augustus von Cumberland (dem dritten Sohn des regierenden Königs George III.) geboren.
Der Herzog galt als einer der erfolgreichsten Züchter seiner Zeit, neben Eclipse zeichnet er auch als Züchter des
legendären Herod. Auch hatte er sich bei der Armee verdient gemacht. Nur war er dort nicht halb so erfolgreich wie als
Züchter: 1745 - obwohl die britische Infanterie dort zum erstenmal eine Kostprobe ihres fürchterlichen Könnens gab -
verlor er durch dumme Fehler als Oberbefehlshaber der britischen Armee die Schlacht von Fontenay, warf zwar später
den Aufstand des Hauses Stuart bei Culloden nieder, handelte sich aber 1757 auf deutschem Boden bei Hastenbeck
erneut eine Niederlage ein - alles in allem hat er sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Er nahm seinen Abschied von
der Armee und widmete sich verstärkt der Vollblutzucht. Die Früchte seiner züchterischen Ambitionen konnte er leider
nicht mehr ernten. Der Duke of Cumberland starb am 31. Oktober 1775 bereits mit 44 Jahren an einem Gehirnschlag,
ein Jahr nach Eclipses Geburt.
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urch einen Formfehler der Auktionsveranstalter Eclipse war bereits zugeschlagen, als ein neuer Bieter hinzu
kam und monierte: "...die Auktion hat früher begonnen als angekündigt..!" Deshalb mussten alle bereits verkauften
Pferde erneut durch den Auktionsring.) kam der junge Hengst für 75 Guineas - damals ein Haufen Geld - in den Besitz
des Fleisch- und Viehhändlers William Wildman (richtig, er war der Bieter, der den zu frühen Auktionsbeginn
beanstandet hatte). Auf der gleichen Auktion wurde King Herold an Sir John Moore verkauft, der Hengst ist
besser bekannt als der eingangs erwähnte Herod. Wildman war ein gut situierter Kaufmann, der in Surrey
Rennpferde züchtete und in seinen Farben auf allen Rennplätzen Englands an den Start brachte.
In anbetracht der Tatsache, dass Eclipse im Alter von fünf Jahren erstmalig eine Rennbahn betrat - dies war damals
durchaus üblich, obschon es auch schon Rennen für jüngere Pferde gab - liegt die Vermutung nahe, dass Wildmann
dem Hengst Zeit zum Reifen geben wollte. Kann sein, muß aber nicht sein. Ein Grund für seinen späten Auftritt auf
der Bahn könnte auch sein, dass niemand mit dem ungebärdigen temperamentvollen Fuchs fertig wurde. Man dachte
bereits daran, den Hengst zu legen, sprich zum Wallach zu degradieren, angesichts der sich später zeigenden
durchschlagenden Vererbungskraft wäre dies einer Katastrophe gleichgekommen. Zum Glück bliebEclipse das was
er war. Wahrscheinlich verdanken wir das einem Mann, der wohl für Wildmann gearbeitet hat, dessen Name aber im
verborgenen geblieben ist. Er muß aber ein Reiter mit einer starken Hand gewesen sein. Er nahm sich des Wildfangs
an und schaffte es mit der Zeit den Hengst zu regulieren. Hinter vorgehaltener Hand munkelte man, dass dieser Mann
Eclipse auch zur Ausführung seiner "Geschäfte" benutzte u. a. auch zu nächtlicher Wilderei... Aber Eclipse wurde mit
der Zeit etwas nachgiebiger.
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769 sah Colonel Dennis O'Kelly Eclipsebei seinem ersten Start in Epsom und war vom Fleck hin und weg. Der
gebürtige Ire, der sich aus bitterer Armut hochgekämpft hatte, war schon von der Familie her mit großem Pferdeverstand
gesegnet, und hatte sich zu dieser Zeit schon ein kleines Anwesen mit Ställen am Rande der Bahn erarbeitet. Auf
seinem Boden befand sich auch der Platz auf dem die Pferde vor dem Rennen gesattelt wurden und der Besucher
seiner Wettlust frönen konnte. O'Kelly war zweifelsohne eine der schillerndsten Persönlichkeiten des englischen Turfs:
er hatte seinerzeit nach seiner überstürzten Flucht aus Irland (evtl. wegen einer Rebellion gegen die von den
englischen Adligen errichteten Holzzäune um Ackerland zum Schutz der weidenden Beefsteaks und Hammelkoteletts)
in den Slums von London jeden Job angenommen, der sich ihm bot. Er begann als Sänftenträger, trieb sich in den
Amüsiervierteln rum, spielte, gewann, spielte, verlor und fing nach einem Gefängnisaufenthalt (Schuldturm) wieder
ganz von vorne an. Aber dieses Mal lächelte Fortuna ihm ins Gesicht - seine Geschäfte gingen besser, er unterhielt
u. a. einen sich gut verzinsenden Spielsalon (ganz unschuldig am Aufstreben des Colonels soll das Vorleben seiner
Hauszierde Charlotte Hayes auch nicht gewesen sein). Lassen wir unserer Phantasie jetzt einmal freien Lauf und
versetzen uns in die Person Dennis O'Kellys im Jahre 1769 nachdem er Eclipse im ersten Vorlauf hat siegen sehen
und malen uns aus, wie zu der berühmten Wette "Eclipse the first - the rest nowhere!" gekommen sein könnte...
...Lord Cranbourne lächelte dünn und reizte mich weiter: "Ich nehme auch einen Schuldschein auf jeden beliebigen
Betrag!"
"Ich möchte nicht wetten!" (unsere Taschen sind nämlich mehr als leer!)
Sir Malcom, der Streit witterte und sich eine gute Unterhaltung versprach, versuchte das Feuer zu schüren. "Mr. O'Kelly
, ich leihe Ihnen das Geld. Genügen Ihnen zehntausend?"
Cranbourne ergriff rasch die Gelegenheit: "Ich setze eine ansehnliche Summe gegen Eclipse. Oder hat Mr. O' Kelly
den Geschmack verloren, nachdem er im ersten Vorlauf gesehen hat, was das Pferd nicht kann?"
Ich sah ihn an: "Wie lautet Ihr Angebot, Mylord?"
"Fünf zu eins gegen Eclipse", sagte er.
"Fünf zu eins?!" Ich lachte, um ihn wütend zu machen. "Nur fünf zu eins, nachdem Eclipse schon vier Meilen gelaufen
ist und nun gegen frische Pferde antritt?"
"Zehn zu eins!" sagte er.
Sir Malcom blöckte wie ein Schaf, als er mir ein Bündel Banknoten in die Hand drückte. "Hier, Sir, zehntausend Pfund."
Ich nahm sie bereitwillig an und fragte mich, wieviel Lord Cranbournes Besitzungen alles in allem wert sein mochten. Dann
sagte ich: "Mylord, Sie bieten mir zehn zu eins auf meine zehntausend Pfund?"
"Die Wette gilt," erwiderte er und griff nach seinem Geld, aber ich Gebot ihm Einhalt mit der Frage: "Geben Sie mir
zwanzig zu eins, Mylord, wenn Eclipse gewinnt und ich Ihnen voraussage, auf welchen Plätzen die anderen Pferde
durchs Ziel gehen werden?"
Da reckten alle, die sich in Hörweite befanden, die Hälse, und Sir Malcom sagte: "Mr. O'Kelly, die Mathematik ist nicht
meine Stärke, aber ich meine, dafür sollten Sie mindestens sechsundreißig zu eins haben!"
"Nein, zwanzig zu eins", entgegnete ich. "Wenn Mylord den Mut hat - und zweihunderttausend Pfund zu verlieren!"
Cranbourne sagte:" Damit es kein Missverständnis gibt: Sie wetten, dass Eclipse gewinnt und sagen voraus, auf
welchen Plätzen die anderen Pferde liegen werden?"
"Richtig!" antwortete ich.
Er streckte unter den Freunden des Königs die Hand aus und nahm bündelweise Geldscheine entgegen. Das war eine
Wette, der kein Engländer widerstehen konnte. Zweihunderttausend Pfund hielt er nun in den Händen, aber für ihn
waren das keine Banknoten - er hielt sein Erbe in der Hand.
Lord Rockingham verwahrte die Einsätze und fragte: "Sir, und nun sagen Sie uns, wie die anderen Pferde einlaufen
werden."
Ich erwiderte ohne Zögern: "Eclipse als erster und die anderen gar nicht."
Die Menschen taten einen erstaunten Ausruf, der wie aus einer Kehle kam, und alle Augen blickten auf die Rennbahn
hinaus, in Richtung Tattenhams Corner. Stille breitete sich aus, Lord Rockingham wollte, dass es im Hinblick auf die
Wettbedingungen keinerlei Zweifel geben würde. Er sah zum Distanzpfosten, rund zweihundertzwanzig Meter von dem
Zielpfosten entfernt.
"Wollen Sie damit sagen, dass Eclipse durch das Ziel geht, bevor irgendein anderes Pferd den Distanzpfosten passiert?"
"Ebendas, Euer Lordschaft."
Wieder erstaunte Rufe. Lord Rockingham sah mich mit offenem Munde an, schnalzte mit der Zunge. Sir Malcom ergriff
meinen Arm:
"ALLE?"
"Alle!"
Lord Rockingham fand seine Stimme wieder: "Sir, Sie prophezeien ein Wunder!"...
D
as Wunder geschah, das ist verbrieft.Eclipse deklassierte im zweiten Laufe seine Gegner und O'Kelly kassierte - ob
es nun in der erzählten Art und Weise zu dieser Wette kam, lassen wir mal außen vor - nicht umsonst heißt es:
berühmte Pferde, ihre Geschichten und Legenden. Sicher ist aber, dass O'Kelly mit dieser Wette einen überaus
ordentlichen Batzen Geld einstrich.
Das irische Pferdeherz war sich sicher, das Pferd musste sein werden! Einen Monat später machten Wildmann und
O'Kelly fifty-fifty (kostete ihn 650 Guineas). Im April 1770 übernahm O'Kelly Eclipse gegen eine Zahlung von 1100
Guineas ganz.
Eclipse wurde insgesamt 18 mal an den Start gebracht, er kehrte jedes Mal als hochüberlegener Sieger heim.
Nur ein einziges Mal schien es, als könne ein Pferd an seiner Krone kratzen: Bucephalus. Für Statistiker, die
weiteren Gegner hießen am 17. April 1770 Tortoise und Bellarina. Bucephalus und Eclipse lieferten sich über
die Distanz - den anderen beiden Pferden auf Längen enteilt - einen aufregenden Fight. Es war ein aufregendes Match
zweier großer Pferde, aus dem ein Pferd noch größer hervorging. Eclipse zog eingangs der Geraden noch
einmal an und ließ Bucephalus mühelos und ohne ersichtliche Anstrengung stehen. Bucephalus war nach diesem
Rennen vollkommen fertig, er trat nie wieder in einem Rennen an, Eclipse hatte dem so tapfer kämpfenden
Hengst das Herz abgekauft.
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771 übersiedelte Eclipse in O'Kellys Clay Hud Stud. War Eclipse auf der Bahn ein wahrer Heros, so
stand er dem als Vererber kein Deut nach. Anfänglich verlangte O'Kelly für die Liebesdienste seines Hengstes 50
Guineas - für die damalige Zeit ein ungeheurer Preis - nach und nach pendelte sich die Taxe zwischen 20 und 30
Guineas ein. Eclipse stellte als Vaterpferd folgende große Sieger: Young Eclipse, Saltram, Volunteer,
Sergeant, nicht zu vergessen den ebenfalls ungeschlagenen Pot-8-os und King Fergus, Mercury,
Joe Andrewas, Dugannon, Alexander, Don Quixote und Pegasus. Von der klassischen Siegerin Anette
(Oaks 1787) und ihren Töchtern ganz zu schweigen! Die Linien von Pot-8-os und King Fergus reichen in
direkter Linie bis in unsere heutige Zeit hinein. Eclipse ging an den Folgen einer Kolik am 26. Februar 1789,
im Alter von 24 Jahren, ein. O'Kelly starb am 28. Dezember 1787 im Alter von 69 Jahren. Er ging in die Analen ein als
einer der bedeutendsten Besitzer und Züchter seiner Zeit.
9
5 Prozent aller Vollblüter der Welt gehen heute noch in direkter Linie auf Eclipse zurück! Sie sind Züchter,
Besitzer oder Anteilseigner? Schlagen Sie einfach mal nach...
D
amit niemand auf die Idee kommt, ich hätte alles im Kopf gibt es hier ein
Literaturverzeichnis . Hinzugekommen ist ein separater
"Altertums;-)-"Statistikteil, der sukzessiv erweitert wird.
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berühmte Pferde - ihre Geschichten und Legenden.
01.11.2002 ©
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