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Diomed
England, geb. 1777
v. Florizel a. d. Sister-to-young v. Spectator
Züchter / Besitzer: Sir Charles Bunburry
Trainer: R. Teasdale

G eneral Burgoyne, ein Onkel Lord Derbys - Oberbefehlshaber der englischen Truppen im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, welcher 1777 bei Saratoga aufgab - besaß in England, in der Nähe von Epsom, ein Landhaus mit dem Namen The Oakes (deutsch: Eichen) das in vieler Hinsicht Turfgeschichte schrieb. Zu einem stand es 1779 als Namensgeber Pate für eins der ältesten klassischen Rennen Englands (nur das St. Leger - datiert aus dem Jahre 1776 - ist älter, übrigens benannt nach General Anthony St. Leger, auch einer der im Turf mehr Siege erfocht als auf dem sogenannten Feld der Ehre), The Oakes, ausgeschrieben für dreijährige Pferdeladys. In diesem Landhaus versammelte sich im Herbst 1779 eine illustre Gesellschaft zu einer Dinerparty, bei dem auch das englische Rennsystem diskutiert wurde. Die meisten Prüfungen wurden damals über 3200 Meter entschieden, in denen vor allen Dingen ältere Pferde antraten. Es schoben sich aber immer mehr Rennen in den Vordergrund, bei denen es auf Schnelligkeit und Speed der Pferde ankam. Rennen über 3200 eigneten sich hierfür nicht, die Pferde waren nach mehreren Meilen einfach zu abgekämpft. Also hieß es, entweder die Distanzen zu verkürzen oder neue Rennen zu kreieren. Der Zufall wollte es, dass Sir Charles Burnburry und sein Freund, der 12. Earl of Derby, zwei sehr gute dreijährige Hengste für das Jahr 1780 in Aussicht hatten. Es wurde beschlossen, eine Rennen für dreijährige Hengste und Stuten einzurichten. Die einzige Frage, die wirklich Kummer machte, war wie das Rennen heißen sollte. Lord Derby wollte seinem Freund die Ehre lassen, dieser vertrat aber die Auffassung, dass dem Gastgeber die Ehre gebührt. Im Kreise ihrer Freunde entschied der Wurf einer Münze...

G anz am Rande sei bemerkt, daß die Menschen in Europa und Amerika in den letzten zwanzig Jahren des 18. Jahrhunderts ganz andere Sorgen hatten als die jungen Herren der englischen Aristokratie. Im eingangs erwähnten amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gab es viele Opfer auf beiden Seiten zu beklagen, England selbst hatte immense wirtschaftliche Probleme, die Staatschulden stiegen zwischen 1776 und 1801 von 120 auf 500 Millionen Pfund. 1787 begann der fünf Jahre währende Krieg zwischen Russland und der Türkei. 1789 brach die französische Revolution aus, 1793 brannte Paris und Ludwig XVI. und Marie Antoinette beugten ihre Häupter unter der Guillotine. Napoleon Bonarparte stand Europa noch bevor.

Am 4. Mai 1780 wurde in Epsom das erste Derby überhaupt ausgetragen. Die Distanz betrug 1600 Meter, vier Jahre später, 1784, verlängerte man auf die inzwischen klassische Distanz von 2400 Metern. Sir Charles Bunburrys Fuchshengst Diomed trat als 6:4 Favorit gegen acht Pferde an - ursprünglich waren 36 Starter gemeldet worden. Diomed trug sich als erster Sieger in die lange traditionsreiche Liste des englischen Derbys ein und bescherte seinem stolzen Besitzer die dicke Siegprämie von 1075 Guineas. Mit Sam Arnull im Sattel verwies der Hengst Colonel O'Kellys Budrow und den Eclipse-Sohn Spitfire auf die Plätze.

D iomed, wie viele Derbysieger nach ihm, wurde von mancherlei Wehwechen heimgesucht. 1781 gewann er zwei Rennen, war dann lange krank und konnte erst als Sechsjähriger wieder herausgebracht werden. Der Hengst gewann zwar die King's Plate, kassierte aber eine Niederlage nach der anderen. Bei seiner sechsten Saisonniederlage brach er nieder und wurde in Bunburrys Gestüt Great Barton als Beschäler aufgestellt. Als Deckhengst ist sein Erfolg so lala, aber immerhin ist er Vater von Young Giantess, der Mutter von Eleanore, die 1801 "als erste Quotenfrau" das englischen Derby gewann und auch die Oaks. Diesen Doppelschlag haben bis heute nur drei Stuten geschafft.

D a Diomed als Deckhengst seine Qualitäten nicht bewies, hatte der Fuchs immer weniger Zulauf. Schließlich verkaufte 1798 Sir Bunburry den Hengst für 50 Guineas an den Amerikaner John Hoomes in Virginia. Hoomes gab den weitgereisten Hengst für 1000 Pfund an Colonel Miles Selden ab, der sich durch Weatherbys Warnung "Diamod hätte in England ausgezeichnete Stuten zugeführt bekommen und nichts zu Stande gebracht", nicht beirren ließ und eigentlich für einen 21jährigen Hengst viel zu viel Geld ausgab. Ein kleines Wunder, dass der in die Jahre gekommene Hengst die strapaziöse Seereise überlebt hat. Attila, 1842 Derbysieger, der nach Deutschland kommen sollte, starb auf der Reise. Die Derbysieger von 1868 und 1870, Blue Gown und Kingcraft, waren wie Diomed ebenfalls nach Amerika verkauft worden, kamen aber nicht lebend dort an.

A ber Diomed muß sich in Amerika pudelwohl gefühlt haben, den Hengst überfiel im Selden-Gestüt Tree Hill so etwas wie ein zweiter Frühling. Eigentlich schon im Rentenalter brachte er viele erfolgreiche Nachkommen und wurde in seinen letzten 10 Jahren zu einem der gefragtesten Deckhengst Amerikas. Diomed starb hochbetagt im Alter von 31 Jahren, in der amerikanischen Vollblutzucht sprach man von einer nationalen Katastrophe.

Ü brigens, auch die Bezeichnung "das blaue Band" stammt aus dem Galopprennsport und geht auf ein Gespräch zwischen Lord George Bentinick und dem damals noch sehr jungen Politiker Disraeli zurück. In dieser Unterhaltung, erläuterte der Rennfachmann Bentnick dem späteren Premierminister die Bedeutung des Derbys am Beispiel des höchsten Ordens den England zu verleihen hat, dem Hosenbandorden.

D amit niemand auf die Idee kommt, ich hätte alles im Kopf gibt es hier ein Literaturverzeichnis . Hinzugekommen ist ein separater "Altertums;-)-"Statistikteil, der sukzessiv erweitert wird.

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01.11.2002 © www.kincsem.de