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Darley
Arabian
geb. ca. 1701 - 1702
Abstammung unbekannt
W
enn
Byerley Turk ein "Beutepferd"
war, könnte dieser Orientale ein "Schmuggelpferd" gewesen sein. Die
Geschichte des einflußreichsten Gründervaters der Vollblutzucht beginnt
in der syrischen Wüste bei Aleppo, irgendwo zwischen den Herden und
Zelten des Beduinenführers Sheik Mirza II. In der erlesenen Araberherde
des Sheiks tummelte sich ein feiner brauner Junghengst mit Namen Manak
oder Manica, der die Aufmerksamkeit des britischen Konsuls von Aleppo,
Thomas Darley, erregte. Thomas Darley war Mitglied des lokalen britischen
Jagdclubs und besaß ein sicheres Auge für Pferde.
W
as die weitere Geschichte
anbelangt, nun, da gehen die Überlieferungen auseinander. Eine Geschichte
erzählt, das Darley den Hengst als Jährling für 300 Gold-Sovereigns
erwarb. Darley wartete auf die Lieferung des Geldes aus Aleppo und durfte
dann feststellen, dass der Sheik plötzlich nicht mehr gewillt war, den
Deal einzuhalten und sich von diesem Hengst zu trennen. Da
Thomas Darley Kraft seines Amtes als britischer Konsul und auch als
Kaufmann zweifelsohne die "richtigen" Beziehungen besaß, soll er mit
Hilfe verlässlicher Matrosen und enger Freunde in einer Nacht- und Nebelaktion
sich den Hengst "angeeignet" und ihn über Smyrna auf dem Seewege nach
England schmuggeln gelassen haben.
A
ndere Quellen besagen,
dass der Hengst auf legalem Wege in Syrien erworben wurde und Darley
die Verschiffung des Hengstes in Kriegszeiten arge Kopfschmerzen bereitete.
(Zum Verständnis: 1701 bis 1714 tobte der spanische Erbfolgekrieg über
Europa, der erste echte Weltkrieg, weil er auf den Meeren zwischen Frankreich
und England ausgetragen wurde. Die Briten rissen sich u. a. 1704 Gibraltar
unter den Nagel, um den Zugang zum Mittelmeer kontrollieren zu können.
Auf See waren Akte der Piraterie von Staats wegen an der Tagesordnung.
Dabei kämpften vornehmlich die Briten, Holländer und Portugiesen gegen
die Franzosen. Es ist daher erklärlich, dass Darley ein etwas mulmiges
Gefühl hatte. Denn für eine Pferdeverschickung nach England war (von
Syrien aus betrachtet) der Landweg über das europäische Festland versperrt:
Das Osmanische Reich, die Türkei, war verfeindet mit Österreich, das mit
England befreundet war. Bayern wiederum war mit Frankreich alliiert
und somit mit England verfeindet. Davon mal abgesehen, hätte der Landweg
mindestens ein Jahr gedauert und wer weiß, ob der Hengst jemals in England
angekommen wäre. Also blieb nur das kleinere Übel, der ebenfalls unsichere
Seeweg.)
M
it dem Brief,
datiert vom 21. Dezember 1703, beschrieb Darley seinem Bruder Richard,
der in dem Familiensitz in Aldby Hall, Buttercrambe, Nähe Leedes
weilte, seinen Kauf. Er schilderte, dass der Hengst väterlich sowie
von mütterlicher Seite aus edelstem arabischen Geblüt stamme und er
hoffe, dass dieser Hengst bei den englischen Züchtern um Yorkshire Anklang
finden würde. Er teilte Richard auch mit, dass er sich Sorgen um die
Sicherheit des Pferdes über den Seeweg mache und deutete an, mit Beistand
eines guten Freundes diesem Problem Abhilfe zu schaffen. Das muss ihm
auch gelungen sein, egal welche Variante der Leser vorzieht: 1704 kam
der junge "Dachs" über den Ausgangsort Smyrna (soll urkundlich belegt
sein) in England an.
R
ichard Darley
soll sich bei dem ersten Anblick des Hengstes, der unter dem Namen
Darley Arabian einen
unverrückbaren Platz in der Geschichte der Vollblutzucht einnehmen sollte,
sehr erfreut gezeigt haben. Richard tat die Meinung kund, dass bei dem
Aussehen des Arabers, Chronisten schildern ihn als ungemein schönes
und wohlproportioniertes Pferd, die einheimischen Züchter ihm kaum ihre
Stuten verweigern würden. Heute, fast 300 Jahre später und mit dem Wissen
im Rücken, dass gerade Darley Arabian sich
phänomenal vererbt hat, kann der Leser sich über dieses typische britische
Understatement wohl ein leises Schmunzeln nicht verkneifen - was wäre
die Vollblutzucht ohne ihn geworden...?! Man stelle sich allein folgendes
Szenario in Deutschland vor: die aufgestellten Deckhengste (Mini-Auszug!)
Acatenango, Big Shuffle, Dashing Blade, Komtur,
Lagunas, Law Society, Lomitas, Monsun, Platini,
Sternkönig und
Vincenzo samt Urahnen
gäbe es nicht - wusch, leer wäre es nicht nur in den hiesigen Gestüten
und Rennbahnen - von den Vollblütern, die andere Zuchten veredelt haben,
ganz zu schweigen. Darley Arabians Dienste
standen den englischen Züchtern in den Jahren 1706 bis 1719 zur Verfügung.
1730 starb The Darley Arabian in
Aldby Hall, zu diesem Zeitpunkt gehörte er James Brewster Darley. Auch
hier die Frage: was ist aus Aldby Hall geworden? Und last but not least:
Wo ist die Familie Darley abgeblieben?
D
amit niemand auf die Idee kommt, ich hätte alles im Kopf gibt es hier ein
Literaturverzeichnis . Hinzugekommen ist ein separater
"Altertums;-)-"Statistikteil, der sukzessiv erweitert wird.
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berühmte Pferde - ihre Geschichten und Legenden.
01.11.2002 © www.kincsem.de