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Triple Crown-Sieger ...

S pontan schüttelt es mich, wenn ich irgendwo lese oder höre ... der Sieger in dem Triple Crown-Rennen. Es gibt kein Triple Crown-Rennen als solches!

D er Name Triple Crown (dreifache Krone) beinhaltet drei sogenannte klassische Rennen, ausgeschrieben für dreijährige Stuten und Hengste, die sich mit einem Sieg in einem dieser Rennen automatisch für die Zucht qualifizieren.

Z ur deutschen Triple Crown-Serie gehören das im Mai in Köln-Weidenpesch ausgetragene Mehl-Mülhens-Rennen über 1600 m, am 1. Juli-Sonntag öffnen sich traditionsgemäß die Startboxen für das über 2.400 m führende Deutsche Derby in Hamburg-Horn. Anfang Oktober werden in Dortmund-Wambel im St. Leger satte 2.800 m unter die Hufe genommen.

D er eine oder andere kennt die alte Turfweisheit: "Das frühreifste Pferd gewinnt das Mehl-Mülhens-Rennen, das glücklichste Pferd das Deutsche Derby, das beste Pferd aber gewinnt das St. Leger."
Dahinter steht nichts anderes als das ein Vollblüter im Mehl-Mülhens-Rennen nicht nur früh in Form sein muss, sondern auch, dass es eine gewisse "Spritzigkeit" im Blut haben muss, um als etwaiger Steher so ein "kurzes" Rennen zu gewinnen. Anderthalb Monate später sind in Hamburg-Horn im Derby die Steherqualitäten und ein wenig Glück gefragt. Bis zu 20 Pferde können sich für dieses Rennen qualifizieren, da kann der Favorit schon einmal Pech haben und eine ungünstige Startbox zugelost bekommen, der Wettergott über Horn spielt dem wichtigsten Rennen des Jahres einen üblen Streich und verwandelt das Horner Moor in eine "Seenplatte". Manch heißer Kandidat scheiterte schon an ihm nicht behagenden Bodenverhältnissen, der Jockey kann während der Derbywoche glänzend reiten und erwischt vielleicht ausgerechnet im Rennen der Rennen einen rabenschwarzen Moment und vergeigt. Generell kann bei so einem großen Feld alles mögliche unterwegs passieren - es gehört halt ein Quäntchen Glück dazu ein Derby zu gewinnen.
Bis zum Herbst heißt es dann die Form zu kompensieren, zu halten. Zwischen Derby und St. Leger liegen aber mittlerweile eine Menge äußerst lukrativ dotierter Rennen, so dass manche Derbysieger die "klassische" Route verließen und gar nicht mehr im St. Leger an den Start kamen. Leider hat das St. Leger n den letzten Jahren gegenüber dem für alle Altersgruppen offenen und mit bedeutend mehr "Beute" ausgestattetem Preis von Europa an Boden (Gruppe I) verloren oder man marschierte mit den Spitzendreijährigen gleich in die Löwengrube und ging im "Arc" an den Start. Borgia, Tiger Hill und Samum haben es getan...

D ie Übersicht der deutschen Triple Crown-Winner ist mehr als übersichtlich. Der heißeste Anwärter aller Zeiten war der seinem Jahrgang turmhochüberlegene Schlenderhaner Hengst Alba, der sich wenige Tage vor dem St. Leger im Training ein Bein brach und aufgegeben werden musste.

S o gebührt die Ehre in Deutschland "Triple Crown-Sieger" zu sein, bislang einem einzigen Pferd:

Jahr Name Abstammung DM Starts/S/P Züchter Besitzer Trainer
1979 Königsstuhl Dschingis Khan -
Königskrönung v. Tiepoletto
1.028.125 20 / 11 / 7 Gestüt
Zoppenbroich
Gestüt
Zoppenbroich
Sven von Mitzlaff

A n dieser Stelle ein kleiner Nachtrag zu deutsch/deutscher Vollblutgeschichte:
Die Deutsche Vollblutzucht war über jahrzehnte durch den "eisernen Vorhang" getrennt und den Züchtern der ehemaligen DDR waren somit aus politischen Gründen und Devisenknappheit die Verbindungen ins westliche Ausland verwehrt. Dies hatte vielleicht aus heutiger Sicht den Vorteil, dass viele alte Blutlinien erhalten werden konnten. Auf der anderen Seite fehlte nicht nur der Zugang zu internationalen Deckhengsten, sondern auch der Leistungsvergleich im Rennen mit ausländischen Rennpferden. Der Leser möge verzeihen, aber ein Leistungsvergleich nur zwischen Rennpferden jenseits des Vorhangs, war der weiteren Verbesserung der Rasse m. E. nicht förderlich.
Aber die Vollblutzucht ließ sich allem Unbill und Erschwernissen von Politik zum Trotz nicht unterkriegen und stellte auch drei Triple Crown-Sieger:

Jahr Name Abstammung Mark Starts/S/P Züchter Besitzer Trainer
1955 Faktotum Harlekin - Frühlingssonne v. Lampos ? ? / ? Gestüt Graditz Gestüt Graditz R. Kortum
1979 Gidron Santamoss - Geografia v. Girst 194.000 25 / 8 11 Gestüt Graditz Gestüt Graditz F. Borrack
1987 Lomber Trion - Lolita - Zigeunersohn 199.300 15 / 8 / 6 Gestüt Graditz Gestüt Graditz H. Schäfke

S chnell ein Sprung zu unseren Freunden von der Inseln, den Erfindern der Rasse Vollblut. Im Mai geht es um die 2000 Guineas in Newmarket, das Derby in Epsom steht im Juni auf dem Plan und das St. Leger in Doncaster bildet im September den Abschluss der englischen Triple Crown. In England gibt es eine "Handvoll" Triple-Crown-Sieger mehr:

Jahr Name Abstammung Pfund Starts/S/P Züchter Besitzer Trainer
1853 West Australien Melbourne - Mowerina v. Touchstone 4.450 10 / 9 / ? John Bowes John Bowes John Scott
1865 Gladiateur (FR) Monarque - Miss Gladiator v. Gladiator 980.300 FF 19 / 16 / ? Count Frédéric de Lagrange Count Frédéric de Lagrange Tom Jennings
1866 Lord Lyon Stockwell - Paradigm v. Paragone ? 19 / 14 ½ / ?? Colonel Mark Pearson Richard Sutton James Dover
1886 Ormonde Bend Or - Lily Agnes v. Macaroni 28.465 16 / 16 Duke of Westminster Duke of Westminster John Porter
1891 Common Isonomy - Thistle v. Scottish Chief ? 5 / 4 / ? Baron Alington Sir Frederick Johnstone John Porter
1893 Isinglass Isonomy - Dead Lock v. Wenlock 57.455 13 / 11 / ? Harry McCalmont Harry McCalmont James Jewitt
1897 Galtee More (IRE) Kendal - Morganette v. Springfield ? 13 / 11 / ? John Gubbins John Gubbins Sam Darling
1899 Flying Fox Orme - Vampire v. Galopin 40.096 11 / 9 / ? Duke of Westminster Duke of Westminster John Porter
1900 Diamond Jubilee St. Simon - Perdita v. Hampton 28.185 16 / 6 / 6 H. R. H. The Prince of Wales H. R. H. The Prince of Wales Richard Marsh
1903 Rock Sand Sainfoin - Roquebrune v. St. Simon 45.618 20 / 16 / ? Sir James Miller Sir James Miller Georg Blackwell
1915 Pommern Polymelus - Merry Agnes v. St. Hilaire 15.616 10 / 7 / 1 Solomon Barnato Joel Solomon Barnato Joel Charles Peck
1917 Gay Crusader Bayardo - Gay Laura v. Beppo ? ?? / 8 / ?? Alfred Cox Alfred Cox Alec Taylor jr.
1918 Gainsborough Bayardo - Rosedrop v. St. Frusquin 14.080 9 / 5 / 2 Lady James Douglas Lady James Douglas Alec Taylor jr.
1935 Bahram Blandford - Friar's Daughter v. Friar Marcus 43.068 9 / 9 H. H. Aga Khan III. H. H. Aga Khan III. Frank Butters
1970 Nijinsky (CAN) Northern Dancer -
Flaming Page v. Bull Page
282.237 13 / 11 / 2 Edward P. Taylor Charles Engelhard Viencent O' Brien

B ei den amerikanischen Kollegen ist natürlich mal wieder alles ganz anders. Die Triple Crown-Serie eröffnet Anfang Mai das Kentucky Derby in den Churchill Downs (Lexington) über ca. 2000 Meter. Nur ca. 2 Wochen später treffen sich die Kandidaten in den Preakness-Stakes in Pimlico (Baltimore) wieder. Anfang Juni ist mit den Belmont-Stakes über umgerechnet 2.400 Meter in New York die Triple Crown "gelaufen". Clou der amerikanischen Variante ist mittlerweile ein ausgeklügeltes Punktesystem, dass dem Sieger der drei Rennen eine satte zusätzliche Prämie in Millionenhöhe beschert. In den USA haben sich in die Triple Crown-Liste eingetragen:

Jahr Name Abstammung Dollar Starts/S/P Züchter Besitzer Trainer
1919 Sir Barton Star Shoot - Lady Sterling v. Hanover 116.857 31 / 13 / 11 John E. Madden / Vivian A. Gooch John E. Madden / Cmdr. J. K. L. Ross W. S. Walker / H. Gay Bedwell
1930 Gallant Fox Sir Gallahad - Morguerite v. Celt 328.165 17 / 11 / 5 Belair Stud Belair Stud James (Sunny Jim) Fitzsimmons
1935 Omaha Gallant Fox - Flambino v. Wrack 154.705 22 / 9 / 9 Belair Stud Belair Stud James (Sunny Jim) Fitzsimmons / Cecil Boyd-Rochfort
1937 War Admiral Man O'War - Brushup v. Sweep 273.240 26 / 21 / 4 Samuel D. Riddle Glen Riddle Farm Georg Conway
1941 Whirlaway Blenheim II - Dustwhirl v. Sweep 561.161 60 / 32 / 24 Calumet Farm Calumet Farm Ben A. Jones
1943 Count Fleet Reigh Count - Quickly v. Haste 250.300 21 / 16 / 5 Mrs. John D. Hertz Mrs. John D. Hertz G. D. Cameron
1946 Assault Bold Venture - Igual v. Equipoise 675.470 42 / 18 / 13 King Ranch Robert J. Kleberg Jr. Max Hirsch
1948 Citation Bull Lea - Hydroplane II v. Hyperion 1.085.760 45 / 32 / 12 Calumet Farm Calumet Farm Ben A. Jones / H. A. (Jimmy) Jones
1973 Secretariat Bold Rulder - Somethingroyal v. Princequillo 1.316.808 21 / 16 / 4 Meadow Stables Meadow Stables Lucien Laurin
1977 Seattle Slew Bold Reasoning - My Charmer v. Poker 1.208.726 17 / 14 / 2 Tayhill Stables Ben S. Castlemen William H. Turner /
Douglas Peterson
1978 Affirmed Exclusive Native - Won't Tell You v. Crafty Admiral 2.393.818 29 / 22 / 6 Harbour View Farm Lois Wolfson Lazaro S. Barrera

K leine Anekdote am Rande:
1989 riss der packende Zweikampf in den amerikanischen "Klassikern" zwischen dem schwarzbraunen Sunday Silence, trainiert von Charles Whittingham, und dem Fuchshengst Easy Goer, in der Obhut von Claude R. (Shug) Mc Gaughey III., die Rennwelt von den Stühlen. Im Derby und in den Preakness-Stakes hatte Sunday Silence nach harten Fights - Pferde und Reiter schenkten sich keinen Millimeter Boden (Easy Goer versuchte sogar im Finish nach Sunday Silence zu schnappen) den Fuchs geschlagen. Die Triple Crown war zum greifen nahe, dazwischen stand nur der verflixte Easy Goer, der Sunday Silence prompt die Tour vermasselte und "Sunday" mit einem 8 Längen-Sieg in den Belmont-Stakes glatt "weghaute". Die beiden "Erzrivalen" trafen sich im gleichem Jahr im Breeders Cup wieder, den Sieg machten die beiden Hengste wieder unter sich aus - nun nahm Sunday Silence "Rache"...
Vierjährig wechselten die beiden "Geldschränke" in die Zucht. Easy Goer war dort nur eine kurze Karriere vergönnt, der Hengst starb viel zu früh im Alter von nur acht Jahren und hinterließ nur 136 Fohlen.
Sunday Silence wurde für eine Unsumme nach Japan an ein Syndikat veräußert. Im Land der aufgehenden Sonne ist der Hengst zu einem der begehrtesten Deckhengste überhaupt avanciert.

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01.05.2002 © www.kincsem.de