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Der große Traum ...

E ines jeden Züchters, Besitzer, Trainers, Jockeys, Pflegers ist es, wenigstens einmal einen Derbysieger von der Bahn zu holen bzw. zu reiten. Nur ein einziges Mal hat ein Vollblut die Chance das wichtigste Zuchtrennen des Jahres zu gewinnen, dann wenn es drei Jahre alt ist - so das Reglement. Über verschiedene Rennen (z. B. Mehl-Mühlens- Rennen, Union-Rennen etc.) kann sich die Stute oder der Hengst einen Startplatz "erlaufen". Von über 1.000 Fohlen eines jeden Jahrgangs schaffen es nur 20 (!) über die Qualifikations-Rennen in das Derbyfeld.
Manch aktiver Zweibeiner (z. B. Fritz Drechsler und Peter Remmert) hatte einfach im Derby das sprichwörtliche Pech an den Hufen kleben und gewannen nie das begehrteste Rennen des Jahres, andere holten sich das "Blaue Band" gleich in Serie (z. B. Heinz Jentzsch und Gerhard Streit).

W ie es überhaupt zu diesem Rennen kam, können Sie unter Diomed, dem ersten Derbysieger weltweit nachlesen.

1780 startete England mit der Austragung des ersten Derbys überhaupt, es dauerte einige Jahrzehnte bis die Welle nach Deutschland schwappte. Die ersten Gehversuche in Sachen Derby gab es in Braunschweig, dort wurden am 18. August 1841 im Rahmen der Braunschweiger Herbst-Rennen das "Derby-Rennen für Pferde jeden Landes" von der Direktion der Braunschweiger Rennbahn ausgerufen. Dieses Derby-Rennen überlebte genauso wenig wie die Rennbahn in Braunschweig.
1852 versuchte sich in Breslau der Schlesische Verein für Pferdezucht und Pferderennen mit seinen "Derby-Stakes". Diese Bemühungen ein Derby im Stile der Engländer zu etablieren versandeten ebenfalls und das Derby ging erst einmal in "Schlafstellung".
Ebenfalls im Jahre 1852 wurde der heutige Hamburger Rennclub e. V. gegründet, der im Februar 2002 sein 150jähriges Jubiläum feierte. Das was wir heute als erstes Deutsche Derby (damals noch als "Norddeutsches Derby" bezeichnet, zum Deutschen Derby wurde das Rennen erst im Jahre 1889) verstehen, wurde 1869 in Horn - damals noch weit vor den Toren der Hansestadt gelegen - ausgetragen. Startberechtigt damals wie heute dreijährige Stuten und Hengste, wobei die Stuten zwei Kilo weniger "schleppen" mußten.
Als deutscher Derbysieger trug sich der Hengst Investment, von King of Diamonds - Golden Pippinvon Collingwood in die traditonsreiche Liste ein. Investment stand im Besitz Ulrich von Oertzen, Trainer war R. Batemann aus Braunschweig, geritten wurde der Hengst von W. Little.

I den ersten Jahren war man sich über die Distanz noch nicht einig, da wurde noch ein wenig "rumgeeiert":
1869 - 1871: 1.875 m
1872 - 1873: 2.510 m
1874 - 1876: 2.500 m
1877: 2.400 m
1878 - 1883: 2.600 m
1884 - 1885: 2.500 m
ab 1886 endgültig 2.400 m

D erbystarts "worldwide":

1836 - Frankreich - "Prix du Jockey-Club" in Chantilly bei Paris
1866 - Irland - "Irish Derby" in Curragh bei Dublin
1868 - Österreich - "Preis des Jockey Club" in Freudenau in Wien
1869 - Deutschland - "Deutsches Derby" in Hamburg-Horn
1875 - Amerika - "Kentucky Derby" in Lexington / Kentucky
1878 - Dänemark - "Skandinavisches Derby" in Koppenhagen
1884 - Italien - "Derby Italiano" in Rom

D as Deutsche Derby wird nunmehr seit über 130 Jahren ausgetragen und auch wenn es die wenigstens wissen, das Derby ist auch ein Stück deutscher Zeitgeschichte. Das Derby und der Hamburger Rennclub e. V. überstanden u. a. zwei Weltkriege, Finanzkrisen, diverse Regierungs"formen", den Neuanfang 1945 und Währungsreformen (von Thaler bis zum Euro). Das Derby mußte auch einige Male aus Hamburg-Horn weichen:

1919 nach Berlin-Grunewald, der Rennkalender vermerkt dazu: "Wegen politischer Unruhen mußten vom 25. Juni auf den 1. Juli verschoben und nach Berlin verlegt werde." Warum? In Hamburg tobte die "Sülz-Revolte". Angefangen hatte dies am 22. Juni mit dem Fund eines Fasses verdorbener Tierkadaver vor einer Barmbeker Sülzfabrik, es machten blitzschnell die wildesten Gerüchte (das verdorbene Fleisch würde zur Herstellung von "Heil's Delikateß-Sülze" verwendet werden) bei den Hamburgern die Runde. Am 23. Juni versammelte sich eine aufgebrachtee Menschenmenge, vor den Fabriktoren, der Flächenbrand nahm hier seinen Anfang und breitete sich über ganz Hamburg aus. Plünderungen, Streikfieber, "Hände-Hoch" Rufer, Überfälle - man war in Hamburg seines Lebens nicht mehr sicher.

1943 - 1944 nach Berlin-Hoppegarten. Ende Juli 1942 begannen die schweren Luftangriffe auf Hamburg und die Militärbehörden untersagten in Hamburg die Ausrichtung von Rennen.

1945 nicht ausgetragen

1946 nach München-Riem. Im Mai 1945 war die Hansestadt den Briten kampflos übergeben worden. Die Truppen besetzten auch Horn. Was vom Geläuf noch übrig war (48 Bombentrichter zählte man, davon alleine 28 auf dem Geläuf), wurde von Panzerketten umgepflügt. Nachdem die Soldaten abgezogen waren, zogen in die noch stehenden Gebäude des Rennvereins Flüchtlingsfamilien ein.

1947 nach Köln-Weidenpesch, in Hamburg-Horn war man noch mit den Aufräum- und Aufbauarbeiten zu gange. Die Bahn war einfach noch nicht "derbytauglich. 1948 war das Derby wieder da, wo es hingehört: nach Hamburg-Horn!

W er sich für die facettenreiche Geschichte (würde im Internet den Rahmen sprengen) des Deutschen Derbys interessiert, zwei Buchempfehlungen:
125 Jahre Deutsches Derby von Harald Siemen, Herausgeber Hamburger Rennclub, 1994 - leider ist das Buch nicht in großer Auflage erschienen und heute nur noch durch "Kollege Zufall" zu erwerben.
150 Jahre Hamburger Rennclub ebenfalls von Harald Siemen, Herausgeber Hamburger Rennclub, erscheint im Frühjahr 2002 - hier sind die Chancen das Buch zu ergattern glänzend;-).

A uf den Geschmack "Derbybesuch" gekommen? Neben Informationen über Termine, Anfahrt und Eintrittspreise im Internet finden Sie hier: Hamburger Rennclub e. V. auch die komplette Siegerliste des wichtigsten Rennen des Jahres.

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01.05.2002 © www.kincsem.de